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Wissenswertes über Kokichi Mikimoto.

Die heutige weltweite Zuchtperlenindustrie verdankt ihr Vorhandensein und ihren Status dem Japaner Kokichi Mikimoto. In Japan ist Mikimoto ein Nationalheld, schon früh lernen japanische Schulkinder seine Erfolgsgeschichte kennen.

Am 25. Januar 1858 wurde Mikimoto in der kleinen Hafenstadt Toba auf der Halbinsel Ise geboren, sein richtiger Vorname lautet Kichimatsu ('kichi' bedeutet soviel wie Glück und 'matsu' ist die Pinie, ein Symbol des Wohlstandes), erst später wurde er Kokichi genannt. Das Kind wies ungewöhnlich große Ohrläppchen auf, die in Japan als Zeichen für späteren Reichtum gelten.

Kokichi war der älteste Sohn von Otokichi Mikimoto, dem Nudelmacher von Toba, sein Vater gehörte zur Klasse der Shonin, der untersten Klasse der Bauern und Handwerker. Mikimotos Großvater Kichizo war in Toba ein angesehener und wohlhabender Mann gewesen, dem der Enkel, späteren Erzählungen zufolge, fast alles verdankte. Bereits mit elf Jahren wurde Mikimoto durch eine Erkrankung des Vaters in die Rolle des Ernährers gedrängt und verbrachte seine spätere Kindheit mit dem Kaufen und verkaufen von Gemüse und Nudeln auf den Strassen von Toba (dabei trug er oft seine jüngeren Geschwister mit sich herum). Mikimoto gelang es sich das Wohlwollen der alten Gemüsebauern zu sichern, die ihm jeden Morgen auf dem Weg zum Schrein von Toba begegneten, an dem er für seinen Vater betete. Bald konnte er damit rechnen, dass sie ihm die besten Gemüsestücke reservierten.

Mikimoto besuchte zeitweise eine kleine private Schule, an der ein alter Samurai unterrichtete. Hier wurden ihm Ansichten beigebracht, von denen er, wie er selber später sagte, sein Leben lang zehrte. Eine weitere Fertigkeit, die er bald nutzbringend einzusetzen wusste, was das Jonglieren. Sie verhalf ihm, als er 17 Jahre alt war, zum ersten Kontakt mit Ausländern, als das britische Kriegsschiff 'Silver' 1875 in der Bucht von Toba vor Anker ging. Mikimoto erlangte mit einem geschickten Jongleursakt (indem er mit Eiern und Kartoffeln auf den Füßen jonglierte) die Aufmerksamkeit der Besatzung, der er jetzt täglich Lebensmittel verkaufte. Diese erste größere Summe selbst verdienten Geldes ermöglichte ihm die erste Reise nach Tokio, die er zu Fuß zusammen mit einem alten Nachbarn der Familie antrat. Das Reisetagebuch auf gelbem Reispapier ist heute noch im Besitz der Familie. Am 5. April 1878 kamen die Reisenden in Tokio an, sie wohnten in einem Gasthaus, an dessen Stelle heute das Hotel Shiba Park steht.

Mikimoto entdeckte in Yokohama, der neuen Hafenstadt von Tokio, das Viertel der Perlenhändler, die vor allem Saatperlen an Chinesen verkauften. Die chinesischen Aufkäufer stellten daraus eine in ihrem Heimatland begehrte Medizin her, die alten Männern helfen sollte, wieder zu Kräften zu kommen. Für Mikimoto tat sich eine neue, faszinierende Welt auf, er hing stunden- und tagelang in den kleinen Läden herum, und die Ladenbesitzer verhehlten ihren Unmut darüber nicht. Sie konnten nicht ahnen, dass hier der Grundstein für ein Interesse gelegt wurde, das die Perlenwelt verändern sollte.

Auf dem Nachhauseweg kam es zu einer Episode, die Mikimoto zum ersten Mal in die Schlagzeilen brachte. Er hatte einem älteren Mann aus der Reisegruppe das Leben gerettet, darüber berichteten alle Zeitungen Japans denn es war vor dem Hintergrund der Tradition, unbekannten Kranken nicht zu helfen, eine außergewöhnliche Handlung. Aufgrund des neu erworbenen Bekanntheitsgrades wurde Mikimoto, damals erst 20 Jahre alt, in den Stadtrat von Toba gewählt. Seine Heimatstadt verdankt seinem damaligen unermüdlichen Einsatz, bei dem er Plakate aufklebte und öffentliche Reden hielt, den Ausbau des Hafens und den Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs. Mikimoto galt als die beste Partie in Toba, und mit 23 Jahren erregte er Aufsehen, als er sich selbst ein Mädchen aus einer Samuraifamilie aussuchte. Vor dem Hintergrund der gerade erst gefallenen Klassenschranken war dies ein wagemutiger Schritt. Im Oktober 1881 heiratete er seine Frau Ume im Haus des Schuldirektors von Toba, kurz davor hatte er begonnen, neben dem Nudelgeschäft auch mit Meeresprodukten, darunter Perlen, zu handeln. Als 1883 der Vater starb, wurde Mikimto das Famlienoberhaupt.

Schon um 1850 hatte weltweit ein durch Überfischen bedingter Rückgang der Perlmuschelvorkommen eingesetzt, der während der zweiten Jahrhunderthälfte anhalten sollte. Die große, weltweite Nachfrage nach Perlmutt und Perlen erreichte 1860 auch Japan, und die Fischer an der südöstlichen Küste von Honshu begannen bald, systematisch nach ihren seit Jahrhunderten berühmten Ise-Perlen zu suchen, danach ließ der Rückgang der natürlichen Vorkommen an Pinctada martensii nicht lange auf sich warten. Mikimoto wurde der erste Vorsitzende der neu gegründeten Shima Marine Products Improvement Association, die sich die Verbesserung der Lebensbedingungen der im Meer vorkommenden Molluskenarten zum Ziel gesetzt hatte, es fanden sogar erste Umsiedlungsversuche statt. Anscheinend erwog man schon damals, die Perlmuschel unter Schutz zu stellen, zu einer praktischen Durchführung ist es nicht gekommen.

1887 erhielt Mikimoto einen Auftrag der Kaiserinwittwe zur Beschaffung von Perlen. Das Renommee dieser Bevorzugung eilte ihm voraus, als er 1888 an der nationalen Ausstellung für Meeresprodukte in Tokio teilnahm, bei der er den 2. Preis erhielt. Die Japan Marine Products Association wurde auf ihn aufmerksam und unterstützte seine Pläne zur Gründung einer Fischereigenossenschaft. In dem winzigen Dorf Shinmei Mura, an einer geschützten Stelle innerhalb der Ago-Bucht gelegen (japan.: ;mura' = kleine Bucht) wurden am 11. September 1888 die ersten Exemplare von Haliotis und Pinctada martensii auf dem Meeresboden ausgesetzt, damit war die erste Aufzuchtfarm gegründet.

Auf der 3. Nationalen Industrieausstellung von 1890 in Tokio gewann Mikimoto mit Produkten von der Genossenschaftsfarm den großen Preis. Dort lernte er Dr. Yoshikichi Mizikuri kennen, der als Kommissar des Fischereiministeriums zu den Mitgliedern der Jury gehörte, er gilt als einer der Begründer der japanischen Zoologie. Mikimoto erhoffte sich von dem berühmten Gelehrten die Erklärung zur Entstehung von Perlen. Mizukuri kannte die damaligen Theorien und hielt sich zusammen mit Mikimoto eine Woche lang in der neu gegründeten Meeresforschungsstation in Misaki auf. Er erkannten Mikimotos Interesse und ermutigte ihn zu weiteren Versuchen. In Misaki lernte Mikimoto auch Dr. Kamaki-chi Kishinoye, einen weiteren Zoologen der ersten Generation, kennen.

Es gab zu dieser Zeit in Japan wahrscheinlich an mehreren Stellen Bestrebungen, mit der Zucht von Perlen zu beginnen oder sie zu unterstützen. 1890 veröffentlichte die japanische Fischereiagentur eine Broschüre mit dem Titel 'Theory on Improved Aquaculture', in der u. a. die chinesische Zuchttechnik mithilfe von Zeichnungen im Einzelnen erklärt wurde.

Bei der Rückkehr aus Tokio weihte Mikimoto nur seine Frau Ume in die neuen Pläne ein, und schon am nächsten Tag begann er in Shinmei Mura mit der praktischen Umsetzung zur Zucht von Schalenperlen nach chinesischem Vorbild. Die ersten Experimente auf der kleinen Insel Bentenshima in Shinmei Mura umfassten etwas 1000 Muscheln, die, an langen Hanfseilen befestigt, auf dem Meeresboden lagen. In der bucht von Nishiki bei Toba, wo es stärkere Strömungen gab, benutzte er zum ersten Mal Bambuskörbe, die er an Seilen befestigte und mit Steinen nach unten sinken ließ. Die erste Ernte fand im Frühjahr 1891 statt, in den 1000 Muscheln war keine einzige Perle entstanden. Mikimoto musste die enttäuschten Dorfbewohner beschwichtigen und mit geliehenem Geld für ihren Lebensunterhalt aufkommen, aber sofort machte er mit den Versuchen weiter. Mit dem Geld wurden etwa 5000 neue Muscheln aus dem gesamten Gebiet der Ise-Halbinsel zusammengekauft und jetzt probierte Mikimoto Kerne aus Koralle, Abaloneschale, zermahlenen Fischschuppen, Knochen und anderen Materialien aus. Nachdem die Bucht von einer Gruppe von Delphinen attackiert worden war, mussten wieder neue Muscheln herbeigeschafft werden. Die Experimente in Nishiki hatten sich in der Zwischenzeit auch als erfolglos erwiesen. Die Leute in Toba begannen bereits, Mikimoto einen faulen Tagträumer zu nennen, der sein Leben der falschen Sache, noch dazu falschen Perlen, gewidmet habe und die Sorge um die Famlie allein seiner Frau aufbürde.

Mikimoto war schließlich überzeugt, dass seine Mißerfolge an den verwendeten Kernen lagen, daraufhin setzte er bei 1000 Muscheln, die er zusammen mit Ume auf einer kleinen Insel in der Bucht von Nishiki operierte, ausschließlich kleine Perlmuttkügelchen ein. Am gleichen Tag musste er erfahren, dass alle Muscheln in Shinmei Mura durch die rote Flut, auf japanisch 'akashio' genannt, ums Leben gekommen waren. Er war darüber so enttäuscht, dass er den Dorfbewohnern sagte, sie sollten die Hoffnungen aufgeben und wieder fischen gehen.

Um selber eine neue Einkommensquelle aufzutun, fuhr Mikimoto für eine Zeitlang nach Hokkaido, dort wollte er auf einer Regierungsstation das Seetanggeschäft lernen. Im Dezember 1891 bat Ume ihn, bis zum nächsten Frühjahr nicht nach Hause zu kommen, weil sie nicht in der Lage sei, zu Neujahr, der japanischen Tradition entsprechend, alle Rechnungen zu bezahlen. Im Frühjahr 1892 kam Mikimoto zurück und musste sich tage- und wochenlang vor seinen Gläubigern verstecken, womit er in Toba endgültig das Gesicht verloren hatte.

Am 11. Juli 1893 begleitete Ume ihren Mann nach Nishiki, und die älteste Tochter Rui erzählte später vom Freudenschrei der Mutter, die im Sand saß und gerade eine glänzende weiße, halbrunde perle in einer Muschel entdeckt hatte. Sie öffneten weitere Muscheln und alle enthielten Perlen. Die Neuigkeit vom Erfolg verbreitete sich schnell, und Mikimoto brauchte von jetzt ab nicht mehr mit gesenktem Kopf durch die Straßen von Toba zu gehen. Die schlechten Zeiten schienen ein für allemal vorbei zu sein. Mikimoto beantragte ein Patent für sein letztes, erfolgreiches Verfahren und begann unverzüglich mit der Massenproduktion von halbrunden Perlen. Das Patent wurde erst drei Jahre später, am 27. Januar 1896, gewährt, die Verzögerung war dadurch bedingt, dass die Patentkommission keine Vorbilder hatte, an denen sie sich orientieren konnte. Im Oktober 1893 erwarb Mikimoto die Pachtlizenz für eine kleine unbewohnte Insel mit Namen Tatokushima, die nur etwa 3 Kilometer von Shinmei Mura entfernt liegt, dort wurden die nächsten zehntausend Muscheln ausschließlich mit Perlmuttkügelchen operiert. Ab 1896 ließ Mikimoto jährlich etwa 250.000 Muscheln operieren, bis zum Jahr 1902 sollten es eine Million sein.

Im April 1896 traf Mikimoto ein schwerer Schicksalsschlag, Ume starb mit nur 32 Jahren im Krankenhaus von Kyoto an einer Blinddarmentzündung. Vor ihrem Tod beschwor sie ihren Mann, nicht aufzugeben und daran zu glauben, dass es ihm eines Tages gelingen würde , runde Perlen herzustellen. Die Kinder wuchsen jetzt bei Mikimotos Mutter in Toba auf, in den Sommerferien kamen sie nach Tatokoshima, auf der Farm lebten bereits 40 Personen. 20 davon waren Taucherinnen, die Mikimoto gezielt für das Tauchen nach Perlmuscheln und die Pflege der Muscheln eingesetzt hatte.

Bid in die sechziger Jahre hinein kamen die Amas oder Amahs, wie sie in Japan heißen, auf allen Zuchtfarmen dieser Arbeit nach. Die 'Mädchen von Shima' oder Seetöchter stehen an der Südostküste von Honshu in einer etwa 1000 Jahre alten Tradition, die jeweils von der Mutter auf die Tochter übergeht. Noch bis vor einigen Jahrzehnten bildeten Gruppen von Amas, die sich am Strand um ein Feuer versammelten, einen gewohnten Anblick an den Küsten der Ise-Halbinsel. Sie sind die Ernährerinnen der Famlien, während die Ehemänner das Haus führen und die Kinder aufziehen. In der traditionellen japanischen Männergesellschaft stellt diese Rollenverteilung, die auf archaische Zeiten zurückgeht, eine merkwürdige Umkehrung der Verhältnisse dar. Ursprünglich waren die Amas die Frauen von Fischern, die mit Ihrer Arbeit zum Lebensunterhalt beitragen mussten.

In Japan ist man bis heute der Meinung, dass Frauen die besseren Taucherinnen sind, da sie den Atem länger anhalten und Kälte besser ertragen können. Früher begannen sie Ihre Arbeit mit elf bis zwölf Jahren und arbeiteten zunächst im flachen Wasser, im Alter von siebzehn Jahren konnten sie bereits zwei bis drei Minuten lang tauchen und dabei Tiefen von etwa zehn Meter erreichen. Man nannte sie dann die Töchter des flachen Wassers, später, wenn sie 25 bis 35 Meter tief tauchen konnten (dafür benutzten sie ein etwa 15 Kilogramm schweres Metallstück), wurden sie Töchter des tiefen Wassers genannt. Funados nennt man die Amas, die mit ihren Ehemännern zusammenarbeiten. Die Ehemänner halten das Feuer in den großen Holzkohlepfannen auf den Booten in Gang, an dem die Frauen sich zwischen den Tauchgängen aufwärmen und Tee trinken. Es ist auch Aufgabe der Ehemänner, auf die Signale im Wasser zu achten. Die Kachidos genannten Taucherinnen arbeiten dagegen allein in Ufernähe, schließen sich aber zu Gruppen zusammen.

Beim Tauchen führen die Funados an einer um die Taille geschlungenen langen Leine einen Holzzuber mit sich, der als Boje, aber auch als Aufbewahrungsort für die aus dem Meer heraufgeholten Produkte dient. Die Taucherinnen springen mit den Füßen zuerst ins Wasser, beim Auftauchen halten sie den Kopf in den Holzeimer und atmen langsam durch geschlossene Lippen, damit regulieren sie den Atem und geben gleichzeitig einen merkwürdigen, fast melancholischen Pfeifton von sich, der von den Japanern 'Elegie des Meeres' genannt wird.

Mikimoto führte, beeinflusst von den Arbeiterbewegungen in Europa und Amerika, geregelte Arbeitszeiten bei guter Bezahlung ein. Er ließ Amas aus der ganzen Präfektur nach Tatokoshima kommen und ermutigte andere Mädchen, diesen Beruf auch zu ergreifen. Die weißen Hemdblusen und Hosenröcke gehen gehen ebenfalls auf Mikimoto zurück, sie sollen gegen die Stiche der Quallen und auch gegen Haifische und Delfine schützen. Heute gehören zum Markenzeichen der Amas auch das weiße Kopftuch und die Tauchermaske. 1900 beschäftigte Mikimoto etwas 300 Taucherinnen.

Im Februar 1898 erfolgte die erste richtige Ernte auf Tatokushima, bei der es viele Schaulustige gab. Fast jede Muschel enthielt eine Perle, und Mikimoto erklärte öffentlich, dass er die Ernte dem Kaiser von Japan übergeben wolle. Mikimoto hatte erkannt, dass er selbst eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit betreiben musste, wenn er seinen Perlen zum Erfolg verhelfen wollte. Er nennt sie jetzt 'Mikimoto-Perlen' und verkauft sie zum ersten Mal in seinem neu eröffneten Laden im Ginza-Bezirk von Tokio. Dort werden die ersten Ausländer auf ihn aufmerksam. Im April 1900 erfolgt die zweite Ernte, die 4200 halbrunde Perlen ergibt. Im Dezember kommt der damals populäre Prinz Komatsu, ein Cousin des Kaisers, auf die Farm, 1902 bringt er 'Mikimoto-Perlen' als Geschenk zu den Krönungsfeierlichkeiten für den englischen König Edward VII. nach London mit. Die Zeitungen in Paris und London schreiben darüber, und so beginnt Europa, die neuen Perlen aus Japan zur Kenntnis zu nehmen.

1901 eröffnet Mikimoto einen neuen Laden direkt auf der Ginza, der wichtigsten Einkaufsstraße Tokios, kurz darauf gibt er den ersten umfangreichen Katalog heraus, in dem seine ersten eigenen Schmuckkkreationen, beeinflusst von westlichen Vorbildern, vorgestellt werden. Der Katalog hat heute einen geradezu kunsthistorischen Wert, da er die Schmuckströmungen aus der Zeit um 1900 in vielen Einzelheiten wiedergibt.

Früh rkannte Mikimoto die Notwendigkeit, an Ausstellungen im Ausland teilzunehmen. Bereits 1900 hatte er auf der Weltausstellung in Paris eine Silbermedaille erhalten. 1902 stellte er auf der Russischen Internationalen Fischereiausstellung aus, 1903 erhielt er den ersten Preis auf der japanischen Nationalen Industrieausstellung. Es folgten Aufträge vom japanischen Kaiserhaus, die dieses duch seine Haushaltsabteilung erteilen ließ.

1904 bekam er auf der Weltausstellung in St. Louis ebenfalls eine Medaille, und der amerikanische Perlenhändler Maurice Brower äußerte in einem Interview die Meinung, dass die knopfförmigen kleinen 'Japanperlen' wahrscheinlich nach Paris und London jetzt auch den amerikanischen Markt erobern werden. Die Bezeichnung 'Japanperle' unter der die Perlen auf dem westlichen Markt zu einem Begriff wurden, ist heute nicht mehr erlaubt. Der erste amerikanische Journalist, ein Korrespondent des 'New York Herald', kam 1904 nach Tatokushima, am 9. Oktober 1904 erschien sein Bericht 'Pearl Culture in Japan' im Sonntagsmagazin der angesehenen Zeitung. Er sorgte für beträchtlichen Wirbel, informierte er doch zum ersten Mal umfassend die amerikanische Öffentlichkeit über das, was bisher nur gerüchteweise aus dem fernen Japan zu hören gewesen war. Der Artikel erwähnt, dass die großen amerikanischen Perlenhändler nicht beunruhigt seien, dass Zuchtverfahren sei schwierig, und es sei kaum damit zu rechnen, dass Zuchtperlen jemals zum Massenprodukt werden könnten! 1904 wurden auf Tatokushima 24.000 Perlen produziert, die Farmen zogen sich über eine Strecke von 40 Kilometern an der Küste entlang.

Im Januar 1905 gab es auf Tatokushima eine Million operierter Muscheln, darunter waren tausende, die Mikimoto auf unterschiedliche Arten operiert hatte, da er nach wie vor daran arbeitete, herauszufinden, wie runde Perlen zu züchten seien. In diesem Monat schlug die rote Flut schlimmer zu als je zuvor, und nur ein Fünftel des Bestandes konnte gerettet werden. Beim Öffnen der toten Muscheln fand Mikimoto zufällig fünf runde Perlen, sie stammten aus einer Versuchsgruppe, deren Kerne vollkommen in lebendes Mantelgewebe eingewickelt worden waren. Mikimoto meldete unverzüglich ein Patent an, dass er am 11. Januar 1908 für die Methode erhielt, einen in Glyzerin getauchten Kern in eine zum Sack geformte Einbuchtung des Mantels einzuoperieren. Im nächsten Monat erhielt er ein weiteres Patent für die Transplantation des Perlsacks.

1905 urde Mikimoto als einer der drei wichtigsten Bürger der Präfektur dem Kaiser Meiji vorgestellt, der nach dem russisch-japanischen Krieg zum berühmten Ise-Schrein kam, um seinen Vorfahren über den Sieg Bericht zu erstatten. Der Schrein, nicht weit von Toba in der Burgstadt Uji-Yamada gelegen, ist der Aufbewahrungsort für den Spiegel der Sonnengöttin Amaterasu, deren Sohn bis 1945 als der direkte Vorfahre des ersten Kaisers von Japan galt. Mikimoto konnte, nachdem er sich erfolgreich gegen die Intrigen der Lokalpolitiker und Höflinge durchgesetzt hatte, 17 Minuten lang mit seinem Kaiser sprechen. Anschließend suchte er das Grab seiner Frau auf und beschied dem buddhistischen Chefpriester, dass der Dank allein an die Perlmuscheln gehe. Er ließ später einen Schrein errichten, an dem jährliche Zeremonien zum Gedenken an die Seelen der Muscheln abgehalten wurden.

Nach 1900 war Mikimoto nicht mehr der einzige Perlenzüchter in Japan, und er wusste, dass er nach dem Auslaufen seines Patentes im Jahr 1912 mit einer ernsthaften Konkurrenz zu rechnen hatte. Schon jetzt stellten z. B. die Brüder S. und K. Kitamura, M. Chosaku u. a. Schalenperlen nach der chinesischen Methode her. 1908 eröffnete Mikimoto seine zweite Farm bei Gokasho, die Land- und Wasserfläche pachtete er von der Fischereigenossenschaft. Die Zahl der operierten Muscheln wurde auf etwa zehn Millionen erhöht, bald arbeiteten mehr als 1000 Arbeiter, meistens aus der Umgebung angeheuerte Fischer und Bauern, auf den Farmen.

Es folgten Beteiligungen an den Weltausstellungen von 1905 und 1906 in Lüttich und Mailand und 1908 auf der Kunstgewerbeausstellung in Moskau. 1908 schickte Mikimoto seinen Freund und Angestellten Rikiyo Kobayashi für einige Jahre nach Europa und in die USA, um die Marktsituation zu erkunden. Bei seiner Rückkehr 1911 schlug Kobayashi vor, dass Mikimoto einen eigenen Laden in London eröffnen sollte. Zu Beginn des 2. Weltkriegs gab es bereits eine ganze Kette von Läden, und zwar in Osaka, Kobe, Shanghai, London, Paris, New York, Chicago, Los Angeles, San Francisco und Bombay, deneben gab es Vertretungen in Peking und Nanking. Die Zuchtperlen waren inzwischen für Japan so bedeutend geworden, dass japanische Diplomaten vor Antritt ihrer Auslandsmission zur Schulung nach Toba geschickt wurden.

In Deutschland war die Fachöffentlichkeit bereits früh informiert. 1912 berichtet der Magdeburger Zoologe Korschelt: '...wurde von einem Herrn Mikimoto in der Bai von Agu, die an der pacifischen Küste von Zentraljapan (Provinz Shima) liegt und Perlmuscheln in großer Zahl enthält, eine 'Perlmuschelfarm' angelegt, und zwar mit recht gutem Erfolg, wie es scheint.'

Im gleichen Jahr hatte Mikimoto mit ersten Versuchen zur Zucht von großen Perlen mit Pinctada margaritifera auf den Ryukyu-Inseln begonnen.

(Quelle: Elisabeth Strack "Perlen" 2001)