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Wissenswertes über Mabeperlen.

1965 fasst C. Denis George den Plan, in Neuguinea eine Zuchtperlenindustrie zu entwickeln, und er bittet die australische Regierung um Unterstützung. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sämtliche Projekte von George durch die Japaner boykottiert worden, und in Neuguinea musste er zunächst ähnliche Erfahrungen machen... Im Sommer 1966 hatte er auf der Insel Daga Daga in der Nähe der Stadt Samarai eine geeignete Stelle ausgesucht, nachdem der Verwalter des Territory und zwei Ministerien in Canberra ihre Unterstützung signalisiert hatten. George löste daraufhin seinen Haushalt in Sydney auf und bereitete die Übersiedlung seiner Familie nach Papua Neuguinea vor. Zwei Tage vor der Abfahrt, als das Umzugsgut und die gesamte Ausstattung für eine Farm schon auf einem Schiff eingelagert waren, teilte ihm das Landwirtschaftsministerium mit, dass der Verwaltungsrat die Pachterlaubnis wahrscheinlich doch nicht erteile. George und seine Frau entschlossen sich die Fahrt nach Samarai trotzdem zu wagen, wohl wissend, dass sie eine ungewisse Zukunft erwartete.Denis George konnte sich schon einige Tage nach der Ankunft auf der Insel Daga Daga die Unterstützung der Dorfbewohner sichern und mit dem Roden und Trockenlegen von Sümpfen beginnen. Nachdem die Farm Ende des Jahres stand und ein kleiner Hafen gebaut worden war, begann George unverzüglich mit der Ausbildung der ersten 25 Freiwilligen aus dem Dorf. George nannte die Ausbildungsstätte später ;John Guise School of Pearl Culture' um dem australischen Politker für die moralische Unterstützung zu danken.

Zunächst wurden Gruppen von jungen Männern im Tauchen mit Schnorchel und Taucherbrille unterrichtet. Es gab ausgedehnte Bänke an Pinctada Margaritifera, die bis dahin von den Einheimischen von ihren traditionellen Kanus aus gefischt worden waren. Zunächst wurden nur die schwarzlippigen Muscheln für die Zucht von Schalenperlen verwendet, dann folgten Pinctada maxima (davon gab es nur geringe Bestände), Pinctada radiata und Pteria penguin. Einzelne Männer aus dem Dorf wurden im Tauchen mit Sauerstoffflaschen ausgebildet, um auch an tiefergelegene Muschelbestände herankommen zu können. George unterwies Guppen von Dorfbewohnern darin, Flöße zu bauen und Körbe zu flechten und andere Gruppen lernten, die Muscheln vor und nach der Operation zu beaufsichtigen. Zunächst wurden nur drei Junge Männer als Operateure ausgebildet, später waren sie ihrerseits auf den Dörfern als Ausbilder tätig.

Es dauerte mehr als ein Jahr, bis die Verwaltung von Neuguinea offiziell ihr Einverständnis gab. Von dem Zeitpunkt ab war George vielfältigen Repressalien und Schikanen von Seiten der Japaner ausgesetzt, die sich entsprechend den Prinzipien der 'Diamont Policy' verhielten. Keith Dureaux schickte sogar ständig Beschwerdeschriften nach Canberra und beklagte die Ausbildung der unwissenden Einheimischen, in der er eine zukünftige Gefahr sah. Die Auseinandersetzungen gingen so weit, dass Sir John Guise öffentlich im Parlament des Territoriums die wirklichen Tatsachen darlegte und die australische Regierung aufforderte, die Bevölerung in ihrem Recht auf die Nutzung der eigenen Ressourcen zu unterstützen. In der Öffentlichkeit und in der Presse erfuhr George eine wohlwollende Würdigung. Die Milne Bay Province war 1966 noch genauso unterentwickelt wie der Rest des Landes. Das einzige Zentrum war Samarai, wo es neben der Verwaltung einen Überseehafen, ein Krankenhaus, eine Radiostation und einen Flughafen gab. Die Bevölerung war arm und vollkommen unausgebildet. Es war für George unter den harten Lebensbedingungen im tropischen Klima unvorstellbar schwierig, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Seine Arbeit kann im Nachhinein als wirkliche Entwicklungsarbeit angesehen werden, denn er gab den Menschen Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Im Dezember 1967 konnten die ersten Schalenperlen (sog. Mabe-Perlen) geerntet werden, die Anfang 1968 nach Frankreich und nach Idar-Oberstein verkauft wurden. Ein Juwelier in Port Moresby zeigte Interesse und stellte später Schmuckstücke für Touristen her, die nach Australien und auf die Fidschi-Inseln gingen.

Größere Investitionen waren möglich, nachdem die Development Bank von Papua-Neuguinea im April 1970 einen größeren Kredit gewährte und in den Jahren danach Zuwendungen durch Stiftungen erfolgten. Die niederländische Regierung gab durch Vermittlung der 'Foundation for the People of the South Pacific' eine großzügige Unterstützung, mit der den Dorfbewohnern geholfen werden konnte, ihre eigenen kleinen Farmen zu betreiben. Sir John Guise, der in der Zwischenzeit in Australien Finanzminister geworden war, ließ ebenfalls seine Hilfe zukommen.

Die Insel Daga Daga war jetzt zum 'Pearl Island' von Neuguinea geworden und weitere Farmen wurden auf den umliegenden Inseln Sariba, Sideai und Basilaki errichtet. Im September 1973 wurde die Milne Bay Farmers Association gegründet, in der die Genossenschaften der Farmer aus den einzelnen Dörfern Mitglied wurden. Im Januar 1975 gab es bereits 12 Genossenschaften mit 250 Beteiligten, die zusammen 17 Farmen betrieben. Ende der siebziger Jahre konnte noch keine Genossenschaft selbständig ohne die Hilfe von George und seiner engsten Mitarbeiter existieren. George übernahm für die Genossenschaften auch den Verkauf der geernteten Perlen und sorgte dafür , dass die Farmer das erhaltene Geld nicht sogleich verschwendeten.

Am 28. Mai 1975 wurde die Zuchtperlenindustrie in der Milne Bay Province durch einen Festakt auf Pealr Island, an dem Vertreter der Regierung teilnahmen, zum ersten Mal offiziell anerkannt; die Produkte aus Papua-Neuguinea wurden in Ausstellungen und Museen gezeigt, u. a. erhielten Sie einen Platz im Commonwealth Nations Exhibition Building in London. Die Arbeit von George wurde in mehreren Fernsehdokumentationen gezeigt, 1976 erhielt er den Besuch des australischen Premierministers und im März 1977 kamen die englischen Königin und Prinz Philip anläßlich eines Staatsbesuches nach Daga Daga.

1979 ist die Zuchtperlenindustrie so gut etabliert, dass sie sich selbst tragen kann. Papua-Neuguinea kann damit unabhängig von den Japanern existieren, die das Projkt zwar im Auge behalten, aber weiter nichts mehr unternehmen. Wahrscheinlich sehen sie keine wirkliche Gefahr darin, weil sie erkennen, dass die Dorfbewohner im Grunde genommen überfordert sind. Es gibt immer noch einige wenige australisch-japanische Joint-Ventures im Land, die nach 1975, als das Land selbständig ist, ihre Perlen nicht mehr zu den vorherigen, niedrigen Preisen exportieren dürfen und nach und nach aufgeben.

Die einheimischen Farmer unter George beschränken sich weiterhin auf die Zucht von Schalenperlen (sog. Mabe-Perlen). Allerdings nimmt George selber im Rahmen eines Versuchsprojektes mit Pinctada maxima, Pinctada margaritifera und Pinctada radiata auch die Zucht von runden Perlen in Angriff und erntet Perlen in Größen bis zum 12mm-13mm. Eine größere Produktion entsteht nicht, da die finanziellen Mittel dazu fehlen. George und seine Frau Yulie entwickeln Methoden zur künstlichen Aufzucht der Muscheln, die sich aber auf Anwendung von Kollektoren beschränken.

Die Dorfbewohner stellen nebenbei Schmuck aus dem Perlmutt der Schalen her, der sich gut an die Touristen in der Hauptstadt verkaufen lässt, und George erwägt damals die Einrichtung einer Knopfindustrie. Die Werktstätten sind bereits geübt darin, knopfförmige Kerne für die Zucht der Schalenperlen herzustellen.

Zwanzig Jahre später sind die Hoffnungen weitgehend zerronnen, ein wirklicher Erfolg ist der Zuchtperlenindustrie von Papau-Neuguinea nicht beschieden gewesen. Abgesehen davon, dass immer noch einige wenige Farmen mit ausländischer Beteiligung im Gebiet von Samarai existieren, spielen die Perlen auf dem Weltmarkt keine Rolle. Produktionszahlen und nähere Angaben liegen nicht vor

Kürzlich hat das Unternehmen Niugini Pearls Ltd. auf der Insel Ungarn in der New Ireland Province mit dem Aufbau einer neuen Perlfarm begonnen. Die Insel gehört zur Tigak-Gruppe. In einer Zuchtanstalt sollen zunächst 30.000 Muscheln herangezogen werden, und mit der Zucht von Perlen wurde auf experimenteller Basis begonnen. Es handelt sich dabei um die erste Perlfarm, an der keine Ausländer beteiligt sind. Die etwa 3.000 Bewohner der Tigak-Inseln sind an dem Projetk beteiligt worden

Man rechnet damit, dass in einigen Jahren 100.000 Muscheln zur Verfügung stehen. Die Zuchtanstalt verwendet Elternmuscheln aus der Umgebung, es kommen sowohl goldlippige Pinctada maxima als auch schwarzlippige Pinctada margaritifera vor.

(Quelle: Elisabeth Strack "Perlen" 2001)