Ihr Direkt-Juwelier seit 2005

Wissenswertes über Naturperlen.

Die Perle ist ein Biomaterial, sie entsteht genau wie die Schale der Muschel durch einen Kristallisationsvorgang im lebenden Organismus, der als Biomineralisation bezeichnet wird. Biominerale sind bei fast allen Stämmen des Tierreichs zu finden. Zu den in der Gemmologie auftretenden gehören neben Perle und Muschelschale z. B. Koralle, Elfenbein und Horn.

Perlen können in allen Molusken entstehen. Perlbildend im eigentlichen Sinn (gemäß der vom Menschen gesetzten Definition) sind nur wenige Bivalvia und Gastropoden. Auf diese wird Bezug genommen, wenn im Folgenden allgemein von perlbildenden Muscheln gesprochen wird.

1717 hatte der französische Naturwissenschaftler Rene-Antoine F. De Reaumur (1683 – 1757) bereits erkannt, dass Aufbau und Struktur von Perlen mit der Muschelschale übereinstimmen. Er untersuchte 20 Perlen, die aus einer im Touloner Hafen gefischten Pinna nobilis stammten und konnte feststellen, dass die Perlen Merkmale der Schale aufwiesen. Sie bestanden entweder aus einem System säulenförmiger Calcitkriställchen oder aus Schichten von Perlmuttplättchen, der Aufbau hing von der Entstehungsstelle innerhalb der Muschel ab. Die Entstehung der Perlen selber schrieb Reaumur dem 'krankhaften Ergusse des gerinnenden Schalensaftes' zu, damit war er, den Möglichkeiten seiner Zeit entsprehend, der Entstehungsursache erstaunlich nahe gekommen. Bis dahin hatte man sich weitgehend mit Legenden zufrieden gegeben. 1826 versuchte der englische Anatom Home zu beweisen, dass die Eizellen der Muschel den Kern der Perlen bilden. Er folgte damit einer Theorie, die bereits Ende des 17. Jahrhunderts aufgekommen war. 1830 wurde sie durch den Königsberger Wissenschaftler v. Baer widerlegt, der aufgrund von Beobachtungen bei Anodonta erkannte, dass Perlen im Mantelgewebe von Muscheln entstehen.

Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen, beeinflusst vom neuen, wissenschaftlichen Zeitgeist, systematische Untersuchungen. Der Italiener Filippo de Fillipi entdeckte 1852, dass Teichmuscheln (Anodonta cygnea), deren Mantelgewebe Schläuche mit Larven eines Saugwurms (Distoma duplicatum) enthielten, auf der Innenfläche ihrer Schalen 'perlige Rauheiten' in unterschiedlicher Form und Größe bis zu fast runden Schalenperlen von der Größe eines Hirsekorns enthielten. Er fand auch freie Perlen und konnte bei diesen und den Schalenperlen unter anderem Reste verschiedener Wurmlarfen als Kerne nachweisen. Aus seiner Beobachtung zog er den Schluss, dass die Entstehung von Perlen in engem Zusammenhang mit den Parasiten und deren geographischer Verbreitung stehe. Die Teichmuscheln entstammten einem Park bei Turin.

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten kamen eine Reihe von Wissenschaftlern zu vergleichbaren Ergebnissen. Zu nennen sind u. a. Friedrich Küchenmeister (1856), Karl Möbius (1856), Theodor-von-Hessling (1858), E. F. Kelaart ((1858 – 1863), Robert E. C. Stearns (1886) und H. L. Jameson (1912). Sie fanden heraus, dass parasitische Würmer, und zwar wahrscheinlich geschwänzte Larven von Saugwürmern (Trematoden), Bandwürmern (Cestoden) und Fadenwürmern (Nematoden) im Mittelpunkt von Perlen vorhanden sein können. Sie entdeckten auch Wassermilben, Eier von Milben, winzige Teilchen von Algen, Kieselalgen und Seetang, Eizellen der Muschel oder Zerfallsprodukte davon und winzige Sand- und Schlammkörner. Sandkörner stellten eine Ausnahme dar, umso erstaunlicher ist es, dass sich die Sandkorn-Theorie in der Populärliteratur bis auf den heutigen Tag hartnäckig gehalten hat. Der englische Wissenschaftler Southwell, der Anfang 1900 zu der vom Ceylon Department of Marine Biology beauftragten Gruppe um Herdman gehörte, fand bei mehr als 1.200 Schalenperlen Reste von abgestorbenen Cestodenlarven. Der Hamburger Karl Möbius kam zu dem Schluss, dass Perlen von den oberen Epithelzellen des Mantels gebildet werden und dass sie entstehen können, wenn Wurmlarven durch den Wasser- und Blutstrom auf natürlichem Wege in das Mantelgewebe einer Muschel gelangen. Er hatte nicht erkannt, dass zur Perlbildung ein Sack aus Mantelgewebe nötig ist. Er ging noch davon aus, dass sich die Perle im Mantelgewebe hin- und herbewegt und an wechselnden Stellen die nötigen Ausscheidungen für ihr Wachstum empfängt.

Karl Möbius war ordentlicher Lehrer der Naturwissenschaften am Hamburger Johanneum. Die 1529 von dem Lutherfreund Johannes Bugenhagen gegründete Schule stellt bis heute eines der angesehenen Gymnasien der Hansestadt dar. 1857 gab Karl Möbius die Schrift 'Die echten Perlen, ein Beitrag zur Luxus-, Handels- und Naturgeschichte derselben' heraus, die im wahrsten Sinne des Wortes einen grundlegenden Beitrag darstellt und uns heute Bewunderung abringt. Im Vorwort schreibt er: 'Die verschiedenen, sich widersprechenden Angaben der Schriftsteller über die Kerne der echten Perlen veranlassten mich, um ein eigenes Urtheil zu gewinnen, Perlen zur mikroskopischen Prüfung Ihres Innern in dünnen Schliffen darzustellen. Die war der Anfang der Abhandlung, welche ich hiermit den Freunden der Cultur-, Handels- und Naturgeschichte vorlege... Der größte Theil des naturwissenschaftlichen Inhaltes wurde seit April 1856 in den Sitzungen des hiesigen Naturwissenschaftlichen Vereines vorgetragen und durch mikroskopische Präparate erläutert.'

Möbius untersuchte nach eigenen Angaben 44 Seeperlen aus Amerika und Ostindien und 15 Süßwasserperlen aus Uelzen und Norwegen. Er fertigte Schliffe der Perlen an und konnte in keinem einzigen ein Sandkorn finden. Im größten Teil der Perlen fand er braune, organische Kerne von unterschiedlicher Form, die seiner Meinung nach fast immer Parasiten enthielten. In wenigen Perlen fand er Kerne aus Calcit in radialfaseriger Anordnung.

Ende des 19. Jahrhunderts war die Parasitentheorie allgemein anerkannt, und es wurden sogar Projekte in Angriff genommen, um durch gezieltes Infizieren mit Wurmlarven die Produktion von Perlen anzuregen, diese Versuche scheiterten allerdings. Für die Entstehung der Perlen wurde im 19. Jahrhundert auch die Theorie von den kleinen gelben Körnchen aufgestellt. Es ist aus heutiger Sicht nicht ganz klar, um was es sich dabei wirklich gehandelt hat. Anscheinend wurden die Körnchen in Schliffen von Süßwaserperlen gefunden. Man interpretierte sie als im Bindegewebe des Mantels zwischengelagertes Reservematerial für den Bau der Schale, das zum Kern von Perlen werden und damit für deren Entstehung Anlass geben konnte. Die Körnchentheorie, die von Alverdes angezweifelt wurde, stimmt mit einer weiteren Theorie überein. Sie geht davon aus, dass im Bindegewebe zwischengelagerte Reserven für die Schalenbildung zur Entstehung von Perlen führen können.

Erst der Zoologe Friedrich Alverdes konnte 1912/1913 nachweisen, dass für die Entstehung einer Perle nicht der Fremdkörper an sich von Bedeutung ist, sondern dass es nur darauf ankommt, dass obere Epithelzellen des Mantels in das Bindegewebe desselben gelangen und dort einen sogenannten Epithelsack, den Perlsack, bilden. Die Epithelzellen stellen ihre Ausscheidungsfunktion (aufgrund derer sie die Schale der Muschel bilden) auch dann nicht ein, wenn sie sich auf der Innenseite des Perlsacks befinden. So kann es zur Entstehung einer Perle kommen. Die Bindegewebszellen des Mantels sind dagegen nicht perlbildend. Alverdes war selbst der Meinung, dass seine begrenzten Versuche nicht ausreichten nachzuweisen, wie der Perlsack entsteht – eine einfache Stülpung hielt er nicht für wahrscheinlich.

Alverdes begann seine Untersuchungend damit, dass er Perlen in Schnittserien von 5 Mikron Dicke zerlegte. Er entnahm die Perlen zusammen mit dem sie umgebenden Gewebe (das er später als Perlsack bestimmte und benannte) aus einheimischen Muscheln, und zwar aus Maragaritifera margaritifera (aus Bächen des Spessart), Anodonta cygnea und Unio pictorum (aus Teichen und Bächen aus der Umgebung von Marburg), aber auch au Mytilus edulis (aus der Nordsee bei Kiel) und Ostrea edulis (aus Dänemark). Er färbte die Schnitte farbig ein, sodass er sowohl die umgebenden Gewebeteile als auch Kalksubstanz und Conchyn innerhalb der Perlen gut sichtbar machen konnte.

Im Oktober 1912 begann Alverdes mit praktischen Versuchen mit denen er seine Theorie, dass allein die Bildung des Perlsacks für die Entstehung von Perlen ausschlaggebend ist, beweisen wollte. Er verwendete Margaritifera margaritifera aus der Lohr im Spessart. Aus der Mantelhälfte einer Muschel kratzte er mit dem Messer Epithelfetzen ab und injizierte sie mit einer feinen Spritze in den Rand der anderen Mantelhälfte. Die betreffenden Stellen wurden auf der Außenseite der Schalen gekennzeichnet. Nach 2, 6 bzw. 14 Wochen entnahm er die Tiere und schnitt die Injektionsstelle aus dem Mantelrand heraus um sie wiederum in Schnittserien von 5 Mikron Dicke zu zerlegen. Trotz der kalten und für seine Versuche ungünstigen Jahreszeit konnte er feststellen, dass die injizierten Gewebestückchen nach 2 Wochen eingeheilt waren, sie hatten im Bindegewebe jeweils eine geschlossene Zyste, eben den Perlsack, gebildet. Es waren bereits Spuren der Sekretion von Permutt zu erkennen. Nach 14 Wochen war sie so weit fortgeschritten, dass eine konzentrisch geschichtete Perle zu erkennen war. Sie hatte eine längliche Form, ähnlich der Hundszahnperlen, und in ihrem innern war abgestorbenes Gewebe zu sehen.

Die Etstehung von Perlen ist das Ergebnis einer zufälligen Störung m normalen Lebensablauf der Muschel. Voraussetzung für die Entstehung ist, dass Epithelzellen aus der oberen Schicht des Mantels in dessen Bindegewebe verlagert werden und einen geschlossenen Gewebesack, den Perlsack, bilden. Die Zufälligkeit kann mit Hilfe der folgenden Zahlen, die Schätzungen aus dem 19. Jahrhundert wiedergeben, demonstriert werden. Im Persischen Golf kam auf etwa 500 Muscheln (Pinctada radiata) eine Perle von verwertbarer Qualität, im Gebiet der Sulu-See (Pinctada maxima) betrug das Verhältnis 5.000 : 1, in Französisch-Polynesien (Pinctada margaritifera) 15.000 : 1 und an der Küste Ceylons (Pinctada radiata) 1.000.000 : 1.

Der Mantel der Muschel ist in einer doppelten Linie mit dem Schalenrand verwachsen und schließt ihn hermetisch gegen die Außenwelt ab. Fremdkörper können von außen nur eindringen, wenn bereits eine Verletzung des Mantelgewebes vorliegt. Es ist z. B. Vorstellbar, dass kleine Fische den aus der Schale ragenden Mantelrand anknabbern oder abbeißen. Die Verletzung kann unmittelbar zur Verlagerung von Epithelzellen führen und amit an sich den Grund für die Entstehung einer Perle darstellen.

Sie ermöglichst es dem Angreifer darüber hinaus, in den Mantelschalenraum zu gelangen; dort wird er erneut zum Störfaktor, der zur weiteren Verletzung von Mantelgewebe führen kann. Der Weg ist jetzt frei für andere Eindringlinge, wie z. B. kleine Mollusuken, Schnecken, Krabben etc. und für tierische und pflanzliche Reste aus dem Plankton. Auch andere Substanzen wie Fischschuppen, Schalensplitter, Conchynfetzen, Steine oder das so oft heraufbeschworene Sandkorn können eindringen. Bei Süßwasermuscheln, die in Polarregionen leben, können es auch winzige Eisstückchen sein, die von einer beginnenden Erfrierung herstammen.

Die Parasitentheorie hat insoweit eine Berechtigung, als Parasiten das Mantelgewebe befallen und Anlass zur Verlagerung von Epithelzellen geben können, aus denen dann der Perlsack entsteht. Muscheln stellen für bestimmte Wurmarten, deren Fortpflanzung aus einem komplizierten Generations- und Wirtswechsel besteht, den ersten Zwischenwirt dar. Im Darmkanal der Fische, die sich von den Muscheln ernähren, erlangen die Würmer dann ihre volle Ausbildung und die Larven gelangen mit dem Kot der Vögel, die sich von den Fischen ernähren, wieder in die Muscheln zurück. Die Stelle der Vögel kann aber auch von weiteren Fischen eingenommen werden.

Die Wurmlarven sind nur wenige Millimeter lang, in der Regel werden Sie von der wachsenden Perle eingekapselt und sterben ab. Wenn sie überleben, sprengen oder erweichen sie nach einer Ruhepause die Perlenhülle. Die Reste können ihrerseits wieder zum Kern von neu entstehenden Perlen werden. Wahrscheinlich ist, dass sie von der Muschel ausgestoßen werden oder mit der Schale verwachsen. Marine Bilvalvia sind anscheinend häufiger von Parasiten befallen als Süßwassermuscheln. Der russische Fischereibiologe V. Ziuganov beobachtete, dass Margaritifera im Varzuga-Gebiet so gut wie keinen Parasitenbefall aufweist. Bei Muscheln aus dem Vogtland und dem Fichtelgebirge wurde dagegeben die Perlbildung auf einen starken Wurmbefall zurückgeführt. Es handelt sich um Beobachtungen der Perlenfischer aus dem 19. Jahrhundert, die nicht durch Untersuchungen bestätigt worden sind.

Fremdkörper werden auch beim Pumpen und Filtrieren des eingeatmeten Wassers in die Mantel- oder Kiemenhöhle eingeschwemmt. Von dort aus starten sie womöglich ebenfalls zu einem Angriff auf das Mantelgewebe, falls es der Muschel nicht gelingt, sie durch starke Muskelkontraktionen wieder loszuwerden. Um bis zur Schale vorzudringen, müssen sie das Mantelgewebe von innen her durchstoßen. Die Zellen des Endoderms, der unteren Epithelzellenschicht, sind nicht perlbildend. Erst wenn der Eindringling auf dem Weg zur Schale auch die obere Epithelzellenschicht verletzt, kann es zur Verlagerung von Ectodermzellen in das Bindegewebe kommen. Zu den Fremdkörpern können auch eigene Stoffwechselprodukte und Eizellen der Muschel gehören, die nicht auf dem üblichen Wege abgeführt worden sind. Zur Entstehung des Perlsacks genügen einige wenige oder auch nur eine gestreute Zelle. Der Perlsack wird, entgegen einer oft geäußerten Vermutung, wahrscheinlich nicht zu dem Zweck gebildet, den Fremdkörper einzukapseln. Der Fremdkörper kann aber in den entstehenden Perlsack geraten.

Man könnte sich auch vorstellen, dass obere Epithelzellen unter dem Druck eines Fremdkörpers eingestülpt werden und dass eine Vertiefung entsteht, die sich in das Bindegewebe hinein verlagert und und dort einen Epithelsack bildet. Er schnürt sich von der Oberfläche ab und umkleidet den Eindringling, dabei wachsen die verletzten Epithelzellen auf der Oberseite des Mantels wieder nach. Die Verlagerung von Epihelzellen ist allein noch keine Garantie dafür, dass ein Perlsack gebildet wird. Wenn er entsteht, dann befinden sich die perlbildenden Epithelzellen auf der Innenseite.

Ein weiterer Grund für die Entstehung des Perlsacks können Entwicklungsstörungen sein. So ist es z. B. möglich, dass schon während des Embryonal- und Larvenstadiums der Muschel Epithelzellen in das Bindegewebe des Mantels verlagert werden und dort Gruppen bilden, aus denen später ein Perlsack entstehen kann. Alverdes hat z. B. 'Kerne' aus Geweberesten festgestellt.

Eine weitere Theorie ist, dass der Perlsack durch Zellwucherung entsteht, die durch einen noch nicht bekannten Erregungsfaktor hervorgerufen wird. Bei diesen handelt es sich wahrscheinlich ähnlich wie bei der Krebsentstehung um einen komplizierten biochemischen Vorgang, bei dem die Epithelzellen durch in ihrer normalen Funktion gestörte Proteine das Signal erhalten, sich verstärkt zu vermehren. Es ist denkbar, dass solche Wucherungen bei perlbildenden Muscheln auftreten, weil die Veranlagung dazu in ihrem genetischen Erbe begründet liegt. Diese Theorie würde möglicherweise erklären, warum Perlen nur in bestimmten Fundgebieten, auf Meer- und Süßwasser bezogen, seit Jahrtausenden regelmäßig vorkommen und auch innerhalb dieser Fundgebiete in lokalen Anhäufungen zu finden sind. Perlenfischer von Margaritifera berichten von tumorähnlichen, mit einer Flüssigkeit gefüllten Bildungen, in deren Nachbarschaft sie Perlen beobachtet haben.

Die Wucherungen bilden zunächst flache Lagen, sozusagen Verstärkungen der oberen Epithelzellenschicht, die sich immer mehr ausbreiten. Irgendwann drückt die sich ständig vermehrende Zellage auf das darunter liegende Bindegewebe (denn zur anderen Seite, zur Schale hin, kann sie sich nicht ausdehnen) und sinkt schließlich in dieses hinein. Dort löst sie sich vom oberen Rand des Mantels und schließt sich zusammen, dabei im Idealfall einen runden Perlsack bildend. Wenn die Zellen des Perlsacks überleben und ungestört ihrer natürlichen Funktion folgen können, werden sie sofort mit der Ausscheidung beginnen. Die Ausscheidungsart ist vom Alter der Zellen abhängig. Handelt es sich um junge Zellen vom Mantelrand, dann werden sie Conchyn, entsprechend dem Periostracum, produzieren. Nach einiger Zeit ändern sie den Ausscheidungsmodus und bilden die Prismenschicht, die dem Ostracum entspricht. Anschließend unterliegen sie wieder einem Funktionswechsel und es folgt die Ausscheidung von Permutt, die dem Hypostracum entspricht.

Wenn die Epithelzellen des Perlsacks von einer Stelle am Mantelrand stammen, die gerade auf das Produzieren der Prismenschicht spezialisiert ist, dann werden sie dieser Funktion folgen und anschließend zur Bildung von Perlmutt übergehen. Eine Perle wird nur dann ausschließlich aus Perlmutt bestehen, wenn ältere Epithelzellen, die sich bereits im Stadium der Hypostracumbildung befunden haben, den Perlsack stellen. Die Züchter von Perlen haben sich diese Erkenntnis zunutze gemacht und versuchen, mit der Wahl des Mantelepithels, das entweder allein oder zusammen mit einem Kern eingepflanzt wird, die Größe und Qualiätät von Perlen zu beeinflussen.

Die Epithelzellen eines Perlsacks können einem Funktionswandel unterliegen. Wahrscheinlich ist er auf Störungen im Lebensablauf der Muschel zurückzuführen. Der Perlsack umkleidet die wachsende Perle und er vergrößert sich ständig durch Zellteilung. Alverdes ging davon aus, dass das Wachstum von Perlen in der jungen Muschel begint. Nur dann ist die Voraussetzung gegeben, dass eine Perle von nennenswerter Größe und Qualität entstehen kann. Nur so erklärt sich bei langsam wachsenden Süßwassermuscheln wie Margaritifera die Bildung von Perlen, die größer als 10mm sind.

Perlenfischer machten schon früh die Beobachtung, dass dickschalige marine Muscheln (wie z. B. Pinctada maxima und Pinctada margaritifera) seltener Perlen enthalten als dünnschalige (z. B. Pinctada radiata), deren Schalen wiederum für die Perlmuttverarbeitung nicht so gut geeignet sind. Eine wirkliche Erklärung dafür gibt es nicht. Möglicherweise besteht bei den dickschaligen Muscheln aufgrund der viel längeren Lebenszeit eher die Möglichkeit, dass freie Perlen verloren gehen oder als Schalenperlen wieder in die Schale integriert werden.

Die europäischen und amerikanischen Perlenfischer, die Perlen in Flussmuscheln suchen, sprechen von den sogenannten Perlzeichen. Das sind bestimmte Schalenmerkmale, an denen sie zu erkennen glauben, dass eine Muschel Perlen enthält.Dazu gehören z. B. eine nierenförmig oder asymmetrisch verbogene äußere Form und Furchen oder erhöhte Linien, die vom Wirbel bis zum Rand der Schale verlaufen. Sie werden als Perlfaden bezeichnet. Die Verformungen und Defekte werden seit Jahrhunderten in den verschiedenen Ländern übereinstimmend wiedergegeben. Sie können auf zweierlei Art gedeutet werden. Sie sind entweder aufgrund einer äußeren Einwirkung entstanden, als deren Folge innere Verletzungen zur Verlagerung von Epithelzellen geführt haben. Oder sie sind das Resultat eines inneren Vorgangs, der mit einem enormen Energieaufwand verbunden zu sein scheint. Dieser innere Vorgang könnte das Wachstum der Perle sein, zu dessen Aufrechterhaltung Reserven verbraucht werden, die ursprünglich für den Bau der Schale gedacht waren. Diese Deutung stammt bis jetzt nur aus der Deutung von Perlenfischern. In gut erhaltenen Muscheln werden so gut wie nie Perlen gefunden.

Von den Perlenfischern stammt auch die Beobachtung, dass Perlen bestimmter Formen und Größen an bestimmten Stellen innerhalb der Muschel gefunden werden. So wurde z. B. während der großen Fischereien des 19. Jahrhunderts in Ceylon beobachtet, dass die größten Perlen in der Nähe des Scharniers der Muschel saßen. Es handelt sich dabei um Erfahrungen, die nie aufgrund von systematischen Untersuchungen bestätigt worden sind. Die Erfahrungen finden eine praktische Anwendung bei den unterschiedlichen Zuchtverfahren.

Man weiß von der Perlzucht her, dass Perlen nicht nur an allen Stellen des Mantels, sondern auch in mehreren Organen der Weichkörper entstehen können, vorausgesetzt, dass die Mantelzellen zuvor dorthin gelangt sind und einen Perlsack gebildet haben. Eine andere Möglichkeit ist, dass Perlsack und Perle durch äußere Erschütterungen aus dem Bindegewebe des Mantels verlagert werden. Es ist davon auszugehen, dass die Perle sich innerhalb des Perlsacks bewegt, die Bewegung hat möglicherweise einen Einfluss auf die entstehende Form.

Wenn zwei Perlsäcke dicht nebeneinander liegen, werden sie aneinandergestoßen und verbinden sich. Die in ihnen vorhandenen Perlen werden ebenfalls miteinander verwachsen. Zunächst entstehen Zwillingsperlen oder Drillingsperlen aus denen, wenn das Wachstum fortschreitet, eine einzige größere Perle von unregelmäßiger Form werden kann.

Frühere Handelsbezeichnungen, die heute niemand mehr kennt (und die auch nicht verwendet werden sollten), deuten noch auf den Entstehungsort der Perlen innerhalb der Muschel hin. So genannte Ligamentperlen sind wahrscheinlich im Mantelisthmus, der Gewebsbrücke unterhalb des Ligaments, entstanden. Sie enthalten deutlich erkennbare Conchyneinlagerungen und wurden deshalb auch als 'ölige Perlen' bezeichnet. Das Conchyn gibt ihnen eine bräunliche Farbe. So genannte Muskelperlen, denen eine gute Farbe zugeschrieben wurde, kamen angeblich von den Ansatzstellen der Schließmuskeln, und die so genannten Saumperlen kamen vom äußeren Mantelrand. Aus den Schließmuskeln sollen die winzigen Perlen kommen, die im Handel als Saat- oder Sandperlen bezeichnet werden. In marinen Muscheln und in Süßwassermuscheln können mehrere Perlen gleichzeitig entstehen. In Ausnahmefällen wird von bis zu mehreren hundert winzigen Perlchen berichtet.

Ein großer Teil der einmal entstandenen Perlen geht wahrscheinlich verloren, bevor er geerntet werden kann. In diesem Zusammenhang soll noch eine von Wolf-Dieter Bischoff überlieferte Beobachtung erwähnt werden. 1976 wurde in einem Bach in der Südheide ein Aal gefangen, in dessen Magen sich eine runde Perle von 7 mm Durchmesser befand, die mit dem Moluskenkadaver in den Aal gekommen war. Mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung wertete Dr. Bischoff das Ergebnis aus und deklarierte den Fund zum Jahrtausendereignis.

Die Entstehung von Perlen in Meeresschnecken hat identische Ursachen. Es werden ebenfalls freie Perlen, Blisterperlen (Schalenperlen) und Blister (Schalenkonkretionen) unterschieden.

Im 19 Jahrhundert wurde der Aufbau von Perlen gerne mit einer nach außen gestülpten und zur Kugelgestalt umgewandelten Muschelschale verglichen. Die Untersuchungen von Schliffen hatte gezeigt, dass viele Perlen einen ähnlichen Aufbau wie die Schale aufweisen, nur dass die Innenseite der Schale jetzt sozusagen nach außen gekehrt ist (und umgekehrt).

Der Aufbau von Muschelschalen folgt von außen nach innen der Reihenfolge Periostracum, Ostracum und Hypostracum, der Aufbau von Perlen folgt häufig, aber nicht zwingend, dem umgekehrten Muster. Er ist abhängig vom Alter der Epithelzellen, die den Perlsack gebildet haben. Daher kann die eine oder andere Schalenschicht überwiegen oder es ist nur eine Schicht vorhanden. Entscheidend für das Aussehen einer Perle ist die äußere Schicht. Nur wenn sie aus Perlmutt besteht, wird es zu den besonderen Lichterscheinungen kommen, die aus der Sicht des Menschen betrachtet die Schönheit und den Wert einer Perle ausmachen. Gleichzeitig ist die äußere Perlmuttschicht die Voraussetzung für die Definition von Perlen. Der innere Aufbau, den das Auge nicht mehr wahrnehmen kann, ist für die Bewertung nicht von Bedeutung, es sei denn, dass die Haltbarkeit einer Perle davon beinflusst wird. Nur selten bestehen Perlen ausschließlich aus Perlmuttlagen.

Der entcheidende Unterschied zwischen Perle und Schale ist die unterschiedliche Struktur der einzelnen Schichten. Eine Perle ist nur deswegen eine Perle, weil sie eine von der Schale abweichende, besondere Struktur aufweist.

Die Schale besitzt eine flächige Lagenstruktur, die Perle ist konzentrisch-schalig aufgebaut. Das Perlsackepithel scheidet zunächst hauchdünne Conchynlamellen ab, die die organische Matrix darstellen. Die Lamellen bilden ein Netzwerk aus sehr feinen Maschen, das zum Transport des Calciums dient. Wahrscheinlich entstammen beide Substanzen, die Proteide und das Calciumkarbonat, aus den gleichen Komplexen, von denen man Spuren in den Zellen des Persacks finden kann. Reserven davon sind wahrscheinlich im Bindegewebe des Mantels in Form von kleinen Bläschen eingelagert.

Die Pismenschicht folgt einer so genannten Radialstrahligen Anordnung, d. h. die einzelnen Kriställchen, die in die organische Matrix eingebettet liegen, sind mit ihrer Längsachse auf den Mittelpunkt der Perle ausgerichtet und verlaufen, in Anpassung an die Anordnung, nach unten hin spitz zu. Die Aragonitplättchen der Perlmuttschicht, ebenfalls von organischer Matrix umkleidet, sind in Backsteinandordnung konzentrisch angeordnet und zeigen mit den Längsachsen auf den gemeinsamen Mittelpunkt.

Der Aufbau der Perlmuttschicht läßt sich mit einer Zwiebel vergleichen. Die einzelnen Hüllen sind mit Aragonitplättchen besetzt, die eine polygonale, meistens annähernd hexagonale Form haben. Die Hüllen sind übereinander so angeordnet, dass die Aragonitplättchen in Backsteinanordnung zu liegen kommen. In Wirklichkeit entsprechen die Hüllen nicht dem Idealbild der Zwiebel. Sie verlaufen nicht einheitlich, sondern setzen sich aus kleinen Kugelkappen zusammen. Sie bilden kurze Partien, hören nach einiger Zeit auf, dann setzt die nächste Hülle ein. Die Schichten können sich verzahnen und verkeilen und als Folge von längeren oder kürzeren Unterbrechungen können Hohlstellen entstehen. Die Unterbrechungen sind von der Wachstumsgeschwindigkeit und der Jahreszeit abhängig. Die Größe der Aragonitplättchen ist ebenfalls abhängig von der Wachstumsgeschwindigkeit, die analog zur Wachstumsgeschwindigkeit der Schale verläuft. Die Dicke der Aragonitplättchen wird für Pinctada mit angegeben, für Margaritifera margaritifera mit durchschnittlich 1,2 Mikron.

Die Oberfläche der Perlen besteht nicht aus einer einheitlich gewachsenen letzten Schicht. Das Wachstum der Plättchenschichten hört nicht gleichzeitig auf. Die Schichten überlappen sich und bilden Höhenterrassen. Darüber hinaus überlappen sich die einzelnen Aragonitplättchen in der Art von Ziegelsteinen auf dem Dach. Die Ränder der Täfelchen passen nicht genau zusammen, zwischen ihnen entstehen zarte Furchen. Zusammen mit den Höhenterrassen bilden sie gewellte oder kurvige Maserungs- oder Niveaulinien, die an die Linien bei geographischen Karten erinnern. Im optischen Mikroskop sind sie bereits ab etwa 40-facher Vergrößerung zu sehen. Im Elektronenmikroskop sind die einzelnen Aragonitplättchen ab etwa 2000-facher Vergrößerung als kleine Sechsecke erkennbar. Der Querschnitt einer Perle zeigt, dass die Oberfläche ein Berg- und Tal-Relief ergibt. Die Oberfläche der Perle, die das Resultat der besonderen Anordnung der Aragonitplättchen ist, führt ihrerseits zu Lichterscheinungen, die für den Lüster der Perle verantwortlich sind.

In der gemmologischen Literatur ist immer wieder der Vermerk zu finden, dass die meisten Perlen einen Conchynkern aufweisen, dem die Prismenschicht und eine mehr oder weniger ausgeprägte Perlmuttschicht folgen. Diese Reihenfolge muss nicht zutreffen; tatsächlich kommen die Conchynkerne nur vereinzelt vor. Die Meinung stützt sich, ohne dass eine statistische Auswertung erfolgte, auf Röntgenschattenbilder, die für Routineuntersuchungen über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten hinweg regelmäßig beobachtet wurden.

Die Farbe des Conchyns ist dunkel, ähnlich der Farbe des Periostracums. Sie beeinflußt die Farbe der Perle nur, wenn der Conchynkern mehr als drei Viertel des Durchmessers einnimmt. Dies ist selten der Fall. Ein Beispiel sind die so genannten 'Blue Pearls' des früheren Naturperlenhandels, die ihre blaugraue Farbe einem großen Conchynkern verdanken. Conchynlagen können in Form von einzelnen Fetzen, feinen Linien oder deutlichen Ringen auch die konzentrischen Prismenschichten und Perlmuttschichten der Perle durchziehen oder deren Grenzen bilden, wenn ein vorübergehender Funktionswechsel der Zellen stattgefunden hat. Conchynlagen treten nicht nur innerhalb der konzentrischen Struktur, sondern auch im rechten Winkel zu ihr auf und sind dann der Beweis dafür, dass eine einzige Stelle des Perlsacks während des gesamten Wachstums ausschließlich Conchyn ausgeschieden hat. Perlen, die ausschließlic aus Conchyn bestehen, werden im Handel nicht verwendet. Sie kommen vor, dürften allerdings nur in Ausnahmefällen die Größe von wenigen Millimetern überschreiten.

Im Inneren der meisten Perlen ist eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Prismenschicht anzutreffen (die den so genannten Prismenkern der Perle bildet, wenn kein Conchynkern vorhanden ist). Sie besteht aus marinen Perlen aus länglichen Calcitkriställchen in radialstrahliger Anordnung. Bei Süßwasserperlen kann die Prismenschicht aus langen, schlanken, ebenfalls radialstrahlig angeordneten Aragonitkriställchen bestehen. Ein hoher Strontiumgehalt im Wasser wird z. B. Das Wachstum von Aragonit begünstigen.

Perlen, die nur aus Prismen bestehen, werden als Prismenperlen bezeichnet. Früher sprach man auch von Perlen aus heller Schicht. Die Prismenbereiche sind kalkig weiß oder braungrau, entsprechend sehen Prismenperlen unansehnlich aus. Ein Lüster ist nicht vorhanden. Prismenperlen treten im Süßwasser häufiger auf. Sie haben eine charakteristische Oberflächenbeschaffenheit. Die Basisflächen der einzelnen Prismen erscheinen als kleine, deutlich abgegrenzte Vielecke, die an Nagelköpfe erinnern.

Perlen sind rund, wenn die Zellen des Perlsacks regelmäßig produzieren. Dies ist selten der Fall. Ruhepausen oder unterschiedlich intensive Ausscheidungen führen zu unrunden bis barocken Formen. Schon Alverdes stellte fest, dass ein Teil des Perlsacks von Anfang an Perlsubstanz ausscheiden kann und dass Perlen, deren Zentrum nicht in der Mitte liegt, eine barocke Form haben. Barocke oder ovale Perlen können auch zwei Zentren haben, wenn es sich um ursprünglich zwei Perlen handelte, die miteinander verwachsen sind und die später eine einheitliche äußere Umhüllung aus Perlmuttlagen erhalten haben.

Als Blisterperlen (von engl. 'blister' = Blase, Bläschen) oder Schalenperlen werden Perlen bezei, die ursprünglich als freie Perlen im Bindegewebe des Mantels entstanden sind und anschließend auf die Schaleninnenfläche gelangten. Sie treten in marinen Muscheln und in Süßwassermuscheln auf. Meistens handelt es sich um große Perlen, die aufgrund ihres Gewichtes den Mantel durchbrechen und auf die Schale gedrückt werden. Danach setzt ein Verwachsungsprozess ein, der unterschiedlich beschaffen sein kann. Die Perle liegt der Schale zunächst nur an einem Punkt auf, bevor es zu einer ersten, sielartigen Verbindung kommt. Wenn solche Perlen rechtzeitig gefunden werden, können sie noch als freie Perlen in den Handel kommen.

Die Durchwachsung mit der Schale durchläuft mehrere Stufen und kann im Extremfall zu einer vollkommenen Verschmelzung führen. Die Perle wird dabei in den normalen Wachstumsprozess der Schale, der ihrer Verdickung dient, integriert. Man kann es sich so vorstellen, dass die neu wachsenden dünnen Perlmuttlagen ähnlich wie Tücher über die Perle gebreitet werden, dabei entstehen auf der Oberfläche der Perle so lange dünnere Lagen, bis die Innenfläche der Schale wieder eben ist. Die Perle ist dann nicht mehr zu sehen, sie kann sogar aus der Schale herausgedrückt werden. Wird sie vorher gefunden, dann erweckt sie den Eindruck einer an die Schaleninnenfläche angewachsenen Perle.

Blisterperlen haben meistens gerundete bis unregelmäßige Formen, sie können bis über 2 cm lang werden, Blisterperlen im Anfangsstadium lassen u. U. die runde Form der eingeschlossenen Perle noch deutlich erkennen. Blisterperlen sind am häufigsten in den größeren Pinctada zu finden. Erfahrene Perlentaucher und -händler wissen, dass die ursprünglich freien Perlen möglicherweise durch geschicktes Abspalten wieder freizulegen sind und dann für den Finder einen unerwarteten Gewinn bedeuten können. Wenn allerdings die Außenseite der Schale genau gegenüber der Blisterperle eine Beschädigung zeigt, wird die mühsame Prozedur des Abspaltens und Schälens nicht in Angriff genommen. Dann geht man davon aus, dass es sich nur um eine Schalenkonkretion (Blister) handelt.

Blister entstehen, wenn die bereits beschriebenen Fremdkörper tierischer, pflanzlicher oder mineralischer Herkunft zwischen Mantel und Schale eingeschwemmt und von der wachsenden Perlmuttschicht der Schale eingeschlossen und umwachsen werden. Es kann sich dabei um ein zufälliges Einschließen handeln, das sozusagen gesetzmäßig erfolgt, da das Dickenwachstum der inneren Perlmuttschicht ständig weitergeht. Darüber hinaus kann es zu einem sofortigen und verstäkten Wachstum kommen, das nur dem Zweck dient, den noch lebenden Eindringling schnell unschädlich zu machen. Die Entstehung von Blistern würde damit der Vorstellung gerecht werden, die so oft wahrscheinlich zu Unrecht mit der freien Bildung von Perlen verbunden wird. Der Eindringling wird, bevor der Verwachsungsprozess beginnt, in einer schleimigen Flüssigkeit getränkt, die von den oberen Mantelzellen ausgeschieden wird und die ständig zwischen Mantel und Schaleninnenfläche vorhanden ist. Nicht umsonst wird der Mantel auch als Schleimhaut bezeichnet. Die Flüssigkeit enthält möglicherweise den Calcium-Protein-Komplex, aus dem die nächste Perlmuttschicht entstehen wird.

In Blistern hat man viele Arten von Larven, Würmern, Schnecken, Krabben, Fischen u. a. Meerestierchen gefunden, aber auch Fischgräten, Schalenteile, Steine etc. Es gibt Krabbenarten, deren weibliche Tiere sich in der Mantelhöhle bestimmter Muschelarten bestens einzurichten wissen. Nicht so die männlichen Krabben, die sich u. U. so weit in das Mantelgewebe vorwagen, dass Sie nicht mehr zurückkönnen. Sie riskieren jetzt, zum Zentrum eines Blisters zu werden. Es wird von Schalenkonkretionen berichtet, die noch genau die Form des kleinen Fisches wiedergeben, der sich in den Mantelschalenraum verirrt hat. Möglicherweise werden die Eindringlinge erst wahgenommen, wenn sie auf ihrem Weg zwischen Schale und Mantel auf den empfindlichen Schließmuskel stoßen. Blister können auch entstehen, wenn von dem am Scharnier sitzenden Zähnen der Muschel kleine Stückchen absplittern.

Ziel der Entstehung der beschriebenen Blister ist, den Eindringling so tief in die Schale hineinzudrücken, dass er schließlich wieder hinausbefördert wird. Die meisten Blister entstehen auf eine ganz andere Weise, nämlich dann, wenn die Muschel auf Beschädigungen der Außenseite mit verstärkter Perlmuttausscheidung auf der Innenseite reagiert. Auslöser für die Beschädigung auf der Außenseite sind Angreifer wie Bohrmuscheln, Bohrwürmer, kleine Gastropoden, Schwämme u. a. Sie bohren ein Loch in die Schale, prompt beginnt die Muschel, die beschädigte Stelle von innen her zu reparieren. Sie kann aufgrund des Funktionswechsels der oberen Mantelzellen genau die Schalensubstanzen ausscheiden, die benötigt werden. Dabei kann es z. B. Bei Margaritifera zu einer vorübergehenden, ungeheuren Energiesteigerung kommen, die den normalen Stoffwechsel weit übertrifft.

Die Reparatur kann so vollkommen erfolgen, dass sie später nicht mehr zu erkennen ist, meistens wird sie aber zu einer Erhöhung auf der Innenseite der Schale führen. Diese zählen wir dann zu den Blistern oder Schalenkonkretionen, sie wurden früher auch als Perlwarzen bezeichnet. Im Französischen nennt man sie 'Chicot-Perlen' (franz. 'chicot' = Stumpf) oder ;Perles de nacre', auch 'Coq de Perle' oder 'Perles au noce'' (Hochzeitsperlen). Die Bezeichnungen sollten nicht mehr benutzt werden. 'Coq de Perle' oder 'Coque de Perle' wurde darüber hinaus auch für die sog. ;Osmenda-Perlen' verwendet. 'Perle au noce' ist in Frankreich auch eine Bezeichnung für Imitationsperlen.

Schalenkonkretionen werden besonders häufig in Muscheln beobachtet, deren Außenseite aufgrund der Kohlensäure im Wasser korrodiert ist. Sie kann den Angreifern weniger Widerstand bieten.

Die Schale kann von außen in zwei Richtungen angebohrt werden, entweder im rechten Winkel zur Schale oder parallel zu ihr, indem der Eindringling sich zwischen den Schichten einen Weg bahnt. Entsprechend unterschiedlich in der Form sind die entstehenden Erhöhungen auf der Innenseite der Schale. Verletzungen, die von der Außenseite der Schale her erfolgen, können auch zur Entstehung von Perlen im Bindegewebe führen, falls es zur entsprechenden Verlagerung von Mantelzellen kommen sollte.

Das Innere der Blister, die meistens unregelmäßig Formen haben und groß sein können (bis zu mehreren Zentimetern in der Länge) ist hohl, sie können mit Wasser gefüllt sein oder noch die verfaulenden, verwesenden oder auch ausgetrockneten Reste der Eindringlinge enthalten. Gase, die durch die Verwesung entstehen, vergrößern die Perlen. Im Französischen nennt man solche aufgeplusterten Perlen 'Soufflures'. Wenn sie angebohrt werden etnweichen die Gase und es ist u. U. ein unangenehmer Fäulnistgeruch wahrzunehen.

Blister müssen zur weiteren Verwendung für Schmuckzwecke aus der Innenseite herausgeschnitten werden. Das gleiche trifft auf die Blisterperlen zu. Blisterperlen und Blister unterscheiden sich in Aufbau und Struktur von den freien Perlen, indem die ausgeschiedenen Perlmuttlagen denen der Schale entsprechen. Sie folgen einer flächigen und nicht einer konzentrisch schaligen Anordnung. Bei den Blisterperlen trifft dies nur auf die äußeren Lagen zu, die im innern enthaltene Perle weist die konzentrisch-schalige Anordnung auf.

(Quelle: Elisabeth Strack "Perlen" 2001)