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Wissenswertes über Perlenkern.

Für die ersten gelungenen Zuhtschalenperlen hatte Mikimoto kleine Perlmuttkügelchen verwendet. Die vorausgegangenen Versuche mit Kernen aus Ton, Glas, Blei, Holz, Silber und Gold waren fehlgeschlagen. Die Erfahrung hat seither gezeigt, dass die Perlschicht der Zuchtperle nur auf Perlmuttkernen problemlos aufwächst. Darüber hinaus ist das spezifische Gewicht beider Substanzen fast identisch.

Unbestätigten Berichten zufolge hat eine japanische Delegation bereits 1910 das Mississippi-Gebiet bereist, und in den zwanziger Jahren sollen 200 bis 300 Tonnen an Schalen der Pigtoe-Muschel Fusconaia flava nach Japan exportiert worden sein. Aus einer Tonne konnten etwa 60 Pfund an Kernen gearbeitet werden. Die amerikanische Pigtoe war in Japan bereits bekannt, schon um 1900 hatte die Perlmuttindustrie sie für die Herstellung von Hemdknöpfen verwendet. Die Perlfarmen bezogen dagegen bis zum 2. Weltkrieg ihr Perlmutt hauptsächlich aus China, auch Mikimoto verwendete fast ausschließlich Perlmutt aus dem Yangzi. Interessant ist, dass er sich auf seiner großen Amerikareise von 1926 wahrscheinlich im Mississippi-Gebiet aufgehalten hat, um die Möglichkeiten zur Perlzucht zu erkunden. Er wußte bereits, dass das Perlmutt der amerikanischen Flussmuscheln am besten für die Herstellung von Kernen geeignet ist.

Erst in den fünfziger Jahren, als die politischen Beziehungen zwischen Japan und China sich drastisch verändert hatten, wandten Mikimoto und die meisten anderen Farmen sich dem amerikanischem Perlmutt zu. Japan kam genau in dem Moment ins Spiel, als die amerikanisch Perlmuttindustrie ihrem Ende zuging. Die bewährten Strukturen und das nötige Netzwerk waren noch vorhanden, und die früheren Zulieferer exportierten jetzt ihre Schalen nach Japan. Die Japaner stellten stellten die Bedingungen und sie bestanden auf der Pigtoe-Muschel aus dem Tennessee-River, deren milchig-weißes Perlmutt eine kompakte Struktur hat und einige Zentimeter dick werden kann. Das Familienunternehmen Blumenfeld verschiffte z. B. Schon 1949 fünfzig Tonnen Pigtoe-Schale an die Mitsubishi-Trading Company. Die anderen Firmen verkauften zum ersten Mal in den Fünfzigern, John Latendresse begann 1957 zusammen mit seinem Partner Joe Seino mit dem Export. Er überflügelte die anderen später und war Mitte der Sechzigerjahre der größte Lieferant. Heute gibt es neun Firmen, und zwar in Nashville, Camden und Savannah in Tennessee, in Terre Haute in Indiana, in Hollywood und Decatur, Alabama, in Bradford, Arkansas und in Muscatine, Iowa.

In den sechziger Jahren, als die japanische Zuchtperlenindustrie ihre Boom-Zeit erlebte, wurden jährlich zwischen 5.000 und 10.000 Tonnen an Pigtoes exportiert. Die rücksichtslose Ausbeutung machte sich in einem Rückgang der Bestände bemerkbar und die Japaner wurden beschworen, es doch auch mit anderen Muschelarten zu versuchen. 1986 betrug der Export 25.000 Tonnen, jetzt gehörten schon die Schalen von Washboard Megalonaias gigantea mit dazu. Sie können bis zu 30cm lang werden und sind auch für die Herstellung von großen Kernen geeignet. Heute stellt Washboard die Hälfte der Exporte dar. Große Washboards, die bis zum 25 Jahren alt sein können, bringen bis zu 7 US-Dollar pro Pfund. Die Preise für die größeren Kerne der Südsee-Zuchtperlen sind seither drastisch gestiegen.

Mittlerweile werden etwa 15 Muschelarten exportiert, die von Minesota bis Alabama gefunden werden, darunter Rough Pigtoe, Ebony Shell, Elephant Ear, Pistolgrip, Threeridge, Mapleleaf, Pimpleback, White Heel Splitter und Purple Pocket Bock. Die Preise sind seit 1994 und 40 bis 50% gestiegen. Das Monopol der Kernherstellung liegt in japanischer Hand, insgesamt gibt es in Japan etwa 35 Herstellerfirmen, die von 6 großen Importeuren beliefert werden. Im ganzen sind etwa 100 Personen in der kleinen Heimindustrie beschäftigt, die sich in die Umgebung von Kobe und im Süden der Provinz Osaka konzentriert. Die Firmen sind in Genossenschaften organisiert.

Die Schalen werden zunächst in Streifen und dann in Würfel geschnitten, die unter Beigabe eines Polierpulvers zwischen zwei schweren Eisenplatten rund gerieben werden. Zum Schluss erhalten die Kugeln durch Trommeln eine Oberflächenpolitur. Zum Schneiden und Verformen werden die Schalen an die kleinen Betriebe gegeben, das Rundieren und Polieren erfolgt in den größeren Fabriken. Die für die Verarbeitung notwendigen Maschinen werden von Japanern grundsätzlich nicht an Ausländer verkauft und auch Ausländern nicht zugänglich gemacht. Die letzten Jahre sahen eine zunehmende Verwendung von Schalen 2. und 3. Qualität, dies führte dazu, dass man die Kerne vermehrt zusätzlich bleichte und auch färbte. Die Rückstände der chemischen Bleich- und Färbemittel haben 1996 möglicherweise mit zu den hohen Sterblichkeitsraten geführt.

Die Kerngröße ist genormt, die Abstände zwischen den einzelnen Größen betragen 0,3mm. Die Kerne werden in drei Kategorien unterteilt:

1. Perfekt rund und weiß

2. Rund, farbige Streifen sind möglich

3. Nicht ganz rund, farbig, Löcher auf der Oberfläche sind möglich.

Die Qualität der Kerne vor allem die Oberflächenbeschaffenheit, ist entscheidend für die Qualität der Zuchtperlen. Die von der Muschel ausgeschiedenen winzigen Argonitplättchen passen sich den Konturen der Oberfläche exakt an. Versuche, bei denen man die aufgewachsene Schicht abschälte, haben gezeigt, dass Hohlräume und Kratzer auf dem Kern zu Fehlern auf der Oberfläche der Perle führen. In Kernen mit löchriger Oberfläche können sich darüber hinaus Reste des Poliermittels ansammeln, die wiederum das Wohlbefinden der Muschel beeinträchtigen. Wenn der Kern nicht vollkommen rund ist, sind es auch die Perlen nicht. Die Schwankung in der Kugelform des Kerns sollte zwischen 0,5mm bis 0,8mm liegen.

Die Amerikaner hatten schon früh damit geliebäugelt, die Kerne im eigenen Land herzustellen. Aber die Japaner kauften sie ihnen nicht ab, und sie waren die einzigen Kunden. Seit der Ausweitung der Zucht von Südsee-Perlen gibt es fünf amerikanische Hersteller. Zwei der Firmen produzieren die Kerne in den USA, sie stellen die 1. Qualität her. Eine amerikanische Firma läßt in China produzieren, zwei Firmen schneiden die Schalen lediglich in Würfel und verkaufen sie an die Hersteller in Australien und Tahiti. Ein chinesischer Hersteller, die Fukui Shell Nucleus Factory aus Hong Kong, unterhält eine Fabrik in Zhanzhung in der Guangdong-Provinz. Im Monat werden 22 Tonnen an Muschelschalen zu Kernen von 3mm bis 18mm Größe verarbeitet. Der Preis für die ferttigen Kerne liegt bei 100 bis 5.000 US Dollar pro Kilogramm, je nach Qualität. In China gibt es darüber hinaus eine unbekannte Zahl von Firmen, die die Kerne für die Zucht im eigenen Land herstellt. Der Jahresumsatz der weltweiten 'Kernindustrie' soll bei 250 Millionen US Dollar liegen.

(Quelle: Elisabeth Strack "Perlen" 2001)