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Wissenswertes über Perlenzuchtfarm.

Die meisten Zuchtgebiete sind durch zahlreiche kleine Buchten in geschützter Lage gekennzeichnet, die einen gewissen Süßwasserzufluss aufweisen. Er bringt den Salzgehalt zum Sinken und führt dem Plankton pflanzlichen Detrius zu.

Für alle Zuchtgebiete sind nach wie vor kleine Familienfarmen chrarakteristisch, auf denen durchschnittlich etwa 200.000 Muscheln gehalten werden. In jedem Zuchtgebiet gibt es ein bis zwei große Farmer, die jedes Jahr einige Millionen Muscheln operieren. Eines der führenden Familienunternehmen besaß bis vor kurzem 24 Farmen mit mehr als 500 Angestellten. Die meisten Farmen befinden sich über Jahrzehnte hinweg im gleichen Besitz, der Betrieb einer Farm verlangt einen hohen Kapitaleinsatz und Durchhaltevermögen.

Da sind zunächst die Pachtkosten für die Wasserfläche, die an die Regierung entrichtet werden. Meistens verbleibt die Lizenz für Generationen innerhalb der gleichen Familie. Weitaus höhere Kosten entstehen für die Beschaffung der nötigen Muscheln und deren Halterung vor und nach der Operation, dazu sind Körbe, Flöße, Langleinen, Bojen, Motorboote etc. nötig. Für die Operation selbst müssen geeignete Räume und eine bestimmte Ausstattung mit Instrumenten zur Verfügung stehen, ganz zu schweigen von den Kernen, die in die Muscheln eingepflanzt werden. Hinzu kommen die Kosten für die Operateurinnen und die vielen anderen Arbeitskräfte, die für die ständige Überwachung und den reibungslosen Ablauf erforderlich sind. In den letzten Jahrzehnten sind ganze Zuliefererindustrien entstanden, die die notwendige Ausstattung und das Zubehör liefern. Hinzu kommen die Muschelzüchter und die Firmen, die Perlmuttkerne herstellen.

Die Zuchtfarmen in Japan verwenden heute fast ausnahmslos Jungmuscheln, die in Zuchtanstalten herangezogen werden. Die Vorgeschichte geht in das 19. Jahrhundert zurück. 1888 hatte schon Mikimoto seine Laufbahn in dem Dorf Shinmei Mura mit der Gründung einer Genossenschaft zur Aufzucht von Perlmuscheln begonnen.

Die Zucht von Perlen war auf Dauer gesehen nicht möglich ohne genügend große Reserven an Perlmuscheln. Die natürlich vorkommenden Populationen reichen schon in den Anfangsjahren nicht mehr aus, sie wurden aber noch bis in die Siebzigerjahre hinein genutzt. Ursprünglich war es die Aufgabe der Amas gewesen, die wild lebenden Muscheln vom Meeresboden aufzusammeln. Später arbeiteten die Taucherinnen für die ersten spezialisierten Unternehmen, die sowohl in der Natur vorkommende als auch gezüchtete Jungmuscheln an die Perlfarmen weiterverkauften. Heute stellen die Amas nur noch eine Touristenattraktion auf der Perleninsel in Toba dar. Schon 1912 hatte Mikimoto begonnen, Darbietungen für Besucher zu organisieren, nachdem ihn eine für die Kaiserin arrangierte Vorführung auf diesen Gedanken gebracht hatte.

Die ersten Muschelzuchtanstalten entstanden vor dem 1. Weltkrieg, Mikimoto hatte auf seiner Farm auf Tatokushima bereits größere, von Netzen geschützte Flächen für diesen Zweck reserviert. 1924 erhielt er ein Patent für einen Drahtkorb, der als sogenannter Kollektor eingesetzt werden konnte. Er war auf 3 Seiten mit schwarzem Karton versehen und wurde in heißen Teer und Sand getaucht, die dunkle, raue Oberfläche sollte die Larven anlocken. Sie sind, wenn sie sich auf dem Meeresboden niederlassen, besonders lichtempfindlich und streben danach, dunkle Ecken und Nischen aufzusuchen. In einem Kollektor können bis zu 10.000 Larven Platz finden.

Erst nach dem 2. Weltkrieg betrieben die Zuchtanstalten das Einsammeln von Larven im großen Stil. Fünf bis zehn Flöße wurden miteinander verankert, pro Floß hingen etwa 15 Körbe im Wasser. Anstelle von Körben wurden später Zedern- oder Zypressenzweige verwendet, aber auch große dunkle Muschelschalen oder alte Fischernetze. Die Perlfarmen gingen ebenfalls dazu über, in der Nachbarschaft der operierten Muscheln Kollektoren aufzuhängen. Ende November, vor Beginn des Winters, sind die Babymuscheln bereits vier bis fünf Monate alt, sie sind etwa 1,5 cm groß und werden in größere Zuchtkörbe aus feinem Draht umgesetzt. Die Zeit bis zur Operation verbringen sie jetzt an besonders geschützten Stellen, dabei werden sie regelmäßig überwacht, gereinigt und umgesetzt.

In den Anfangsjahren setzte man die einjährigen Jungmuscheln in etwa 3 bis Meter Tiefe auf dem rauen Meeresboden aus, erst vor Zuchtbeginn wurden sie von den Amas wieder hervorgeholt. Die Methode hatte den Vorteil, dass die Muscheln ähnlich robust wie ihre wild lebenden Artgenossen waren, dies wirkte sich auf die Qualität der Perlen positiv aus. Die Methode wird heute kaum noch angewandt, weil der Arbeitsaufwand zu groß ist, darüber hinaus ist der Platz knapp geworden.

Die ersten Zuchtanstalten gab es in der Präfektur Mie, heute liegen 70 Prozent in der Präfektur Ehime, und zwar in der Umgebung von Uwashima, dort sind sie zu Genossenschaften zusammengeschlossen. Die Farmer aus den übrigen Gebieten kaufen direkt in Uwashima ein, die dortigen Muscheln galten lange Zeit als die gesündesten und stärksten, auch Farmer aus Korea kommen hierher. Im Sommer 1997 wurden auch die Zuchtanstalten in Ehime von der Sterblichkeitswelle erfasst, knapp 150 Millionen Jungmuscheln kamen um. Ende 1997 gingen daraufhin die Züchter in den anderen Gebieten dazu über, wieder ihre eigenen Muscheln zu züchten.

Mitte der Neunzigerjahre begannen die Zuchtanstalten in Ehime, die einheimische Pinctada martensii mit der chinesischen Pinctada chemnitzii zu kreuzen. Nur ein größeres Unternehmen soll die neuen Züchtungen verwenden. In Japan ist allerdings zu hören, dass die japanisch-chinesischen Kreuzungen bereits bereits vor der Krise von 1996 auf dem Markt waren und mit ein Auslöser für die Krise gewesen sind. 1970 hatte Shohei Shirai schon vorausgesagt, dass die japanischen Muscheln nur überlebensfähig sind, wenn sie mit vergleichbaren Arten aus anderen Teilen der Welt gekreuzt werden. Dreißig Jahre später stellen die mehr oder weniger gelungenen Kreuzungsversuche schon keine Lösung mehr dar.

In den Präfekturen Oita und Kagoshima auf Kyushu gibt es ebenfalls Muschelzüchter. Sie finden dort optimale Aufzuchtbedingungen. 1967 wurde eine Brut entwickelt, die nur in den warmen Gewässern von Kyushu leben kann, sie wird fast 17cm groß und kann Kerne bis zu 12mm Größe aufnehmen. Sie wird für die Zucht von großen Perlen verwendet, die nur in begrenztem Umfang stattfindet.

Gegenwärtig stammen so gut wie alle Muscheln aus Zuchtanstalten, die sich in den letzten dreißig Jahren von reinen Aufzuchtbetrieben zu hoch spezialisierten Farmen hin entwickelt haben. Ihnen ist die Zucht von Perlen untersagt, genauso wie den Perlfarmen die künstliche Aufzucht von Muscheln untersagt ist. In den 60er Jahren gelang Prof. Kobayashi die Produktion von Laich durch künstliche Befruchtung. Das Verfahren wird aber erst seit 1975 praktisch angewendet. Die Muscheln werden in Tanks oder Wannen zum Laichen gebracht, dafür genügt es, die in der Natur während der Laichzeit herschenden Bedingungen nachzuahmen (Wassertemperatur von +25 Grad Celsius und leicht alkalisches Wasser mit einem pH-Wert von 7,8). In den Tanks, die in den fabrikähnlichen Hallen von großen Stangen hängen, werden jedes Jahr Millionen von Muscheln produziert, die in einem sorgfältig ausgesuchten, aus verschiedenen Ursprungsorten gemischen Phytoplankton, einer Art Supersuppe, heranwachsen. Der Verbrauch kann bis zu einer Tonne Plankton am Tag betragen. Nach dem Larvenstadium erfolgt die weitere Aufzucht der Jungmuscheln nach dem bewährten Muster. Die wenigen natürlich vorkommenden Bestände obliegen ebenfalls der Aufsicht der Zuchtanstalten, die zur Wahrung der genetischen Vielfalt ihrer Brut auf wild lebende Elternmuscheln angewiesen sind.

Bald gab man sich nicht mehr mi der bloßen künstlichen Befruchtung zufrieden. Das neue Schlagwort hieß Biotechnologie, jetzt konnte der Züchter in die Evolution eingreifen und die Anpassung an radikale Veränderungen auf Monate verkürzen. Das erklärte Ziel war, belastbare Muscheln zu züchten, die Überfüllung, Enge, Wasserverschmutzung und Nahrungsmangel gut aushalten und daneben in einem immer jüngeren Alter für die Perlzucht verwendet werden können, dabei sollten sie in immer kürzerer Zeit Perlen von immer besserer Qualität produzieren und auch das Einsetzen großer Kerne problemlos überstehen. Inzwischen wird in Japan gewitzelt, dass es demnächst eine Muschel geben wird, die sich von industriellen Abfällen und Ölresten ernähren kann.

Zentren der Forschung sind seit 1990 das Mikimoto-Forschungslabor und das staatliche Labor des Fish Farming Center in der Präfektur Mie, sie bieten die entsprechenden Technologien an. Zu ihrer Arbeit gehören die sorgfältige Auswahl der Elternmuscheln (von 400.000 erweisen sich z. B. oft nur 20 als geeignet) und die Durchführung von künstlicher Befruchtung und genetischen Veränderungen. In den Laboren können z. B. geeignete Spermien von gesunden Muscheln über Monate hinweg in flüssigem Stickstoff aufbewahrt werden.

Der Erfolg der wissenschaftlichen Methoden, die zunächst als die größte Errungenschaft nach Mikimoto angesehen wurden, muss nach dem großen Muschelsterben von 1996/97 anzgezweifelt werden. Die Natur hat zum großen Gegenschlag ausgeholt, die gentechnisch veränderten Muscheln, die zudem immer kleiner werden, waren zu schwach, um den schlechten Umweltbedingungen lange standhalten zu können.

1979 erzielten das staatliche Forschungslabor und zwei private Farmer auf der Insel Amami Oshima in Okinawa Erfolge bei der Aufzucht von Pinctada margaritifera imd Pteria penguin, es waren 15 Jahre Versuchsarbeit vorausgegangen.

(Quelle: Elisabeth Strack "Perlen" 2001)