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Wissenswertes über Pflege und Aufbewahrung von Perlen.

Perlen sind aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung empfindlich gegenüber bestimmten chemischen und physikalischen Einflüssen. Die zerstörerische Wirkung setzt meistens erst nach einem längeren Zeitraum ein oder sie tritt auf, wenn Perlen unnötig Gefahren ausgesetzt werden. Im Normalfall ist die Widerstandsfähigkeit ausgeprägter als es landläufigen Vorstellungen entspricht, es gibt aber Ausnahmen. Kernlose Zuchtperlen und Zuchtperlen mit guter Schichtdicke sind weniger empfindlich als Zuchtperlen mit geringer Schichtdicke und Zuchtschalenperlen. Im Umgang mit Perlen empfehlen sich gewisse Vorsichtsmaßnahmen.

Perlen bestehen zum überwiegenden Teil aus Calciumcarbonat und werden von Säuren angegriffen. Aus dieser Tatsache folgt, dass Perlen möglichst nicht in Kontakt mit Säuren kommen sollten. Die Haut der Trägerin stellt dabei keine Ausnahme dar. Schweiß enthält neben Kochsalz und einer Reihe von Elementen verschiedene Säuren wie z. B. Harnsäure, niedrige Fettsäuren und Milchsäure. Schweiß wird auch bei völliger Körperruhe abgesondert, er dient der Steuerung des Wasser- und Mineralhaushaltes und der Wärmeregulation. Der Säurecharakter ist unterschiedlich , der pH-Wert liegt zwischen 3,8 und 7,2. Perlen reagieren empfindlich, aber die Reaktion ist von der Zusammensetzung des Schweißes und damit von der betreffenden Person abhängig. Die Zerstörung, die sich zunächst an matten Stellen erkennen lässt, vollzieht sich wegen der Schwäche der angreifenden Säuren nur langsam (wenn sie überhaupt stattfindet) und ist abhängig davon, wie häufig und unter welchen Bedingungen die Perlen getragen werden. Sie kann aber so weit gehen, dass bei den Akoya-Zuchtperlen mit Kern die äußere Perlschicht in Teilen abgelöst wird. Perlen mit einer dünnen Schicht sind gefährdeter als andere.

Säuren gelangen darüber hinaus über den Faden in das Bohrloch hinein, auf diese Weise entstehen Vergrößerungen und Ausweitungen von Bohrlöchern. Besonders gefährdet sind die Endperlen von Ketten, weil sie im Nacken fest auf der Haut aufliegen. Auch Perlen im Ohrschmuck werden verhältnismäßig schnell angegriffen. Es gibt Trägerinnen, deren Haut sozusagen inkompatibel ist, so dass Perlen bereits nach kürzester Zeit Spuren der Säureeinwirkung zeigen. Grundsätzlich sollten Perlen nicht getragen werden, wenn die Trägerin krank oder bettlägrig ist oder im Krankenhaus liegt und über längere Zeit hinweg Medikamente zu sich nimmt. Der allgemeine Schwächezustand bedingt eine stärkere Schweißausscheidung, deren Säuregehalt die Perlen angreifen kann.

Die Fettsekretionenas den Talgdrüsen der Haut führen noch eher als Schweiß dazu, dass Perlen unansehnlich werden, allerdings kann der Schaden in diesem Fall durch Reinigen beseitigt werden. Der Fettfilm verklebt die oberen Aragonitlagen, so dass Interferenzerscheinungen blockiert werden. Aus dem gleichen Grund ist davon abzuraten, Perlen auf mit Sonnenöl eingeriebener Haut zu tragen.

Die Hornsubstanz Conchyn ist ebenfalls empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen. Wenn sie austrocknet, entstehen zunächst Trocknungsrisse, denen ein Mattwerden und Verfärben folgt. Perlen sollten aus diesem Grund nicht über Jahre hinweg in Schubladen oder Schränken aufbewahrt werden, auch der lange Aufenthalt im Tresor bekommt ihnen möglicherweise nicht gut. Am besten ist es, Perlen regelmäßig und auf normale Weise zu tragen und sie von Zeit zu Zeit der natürlichen Feuchtigkeit auszusetzen, die in der Luft und in der Haut vorhanden ist (zuviel Feuchtigkeit kann wiederum schaden). Der Vorschlag, Perlen in feuchten Leinbeuteln aufzubewahren, lässt sich wahrscheinlich nicht immer befolgen.

Der Trockungsvorgang wird durch Wärme oder Hitze beschleunigt. Aus diesem Grund sollten Perlen nicht über lange Zeit hinweg in der Nähe der Heizung aufbewahrt oder einer intensiven Schaufensterbeleuchtung ausgesetzt werden. Die pralle Sonne ist grundsätzlich zu vermeiden. Langes Sonnenbaden bekommt Perlen nicht, das Gleiche gilt für Aufenthalte in der Sauna. Es empfiehlt sich, Perlen nicht unter der Trockenhaube oder beim Föhnen zu tragen. Ein Goldschmied muss beim Umgang mit Perlen ebenfalls vorsichtig sein. Wenn eine Perle bis zum Glühen erhitzt wird, verbrennen die oberen Conchynschichten und als Folge davon beginnen die Aragonitlagen, denen jetzt sozusagen der Kitt fehlt, abzublättern.

Die Einwirkung von Feuchtigkeit führt zum Aufquellen des Conchyns, der Kontakt mit Schweiß ist auch aus diesem Grund zu vermeiden. Perlen sollen nicht beim täglichen Bad oder unter der Dusche getragen werden (ganz abgesehen davon, dass der Faden dann schneller mürbe wird). Das Gleiche gilt für das Bad im Meer oder im Schwimmbad. Schwimmbäder enthalten Chlor, und Meerwasser weist meistens eine ganze Palette von Verschmutzungen auf.

Perlen sind grundsätzlich vor Kosmetikas zu schützen, die Fett, Säuren und Bleich- oder Färbemittel enthalten. Zu nennen sind z. B. Hautcremes, Deodorantsprays, Körperlotionen, Parfums, Puder, Schminke, Seife, Shampoos, Haarpflege- oder Färbemittel und insbesondere Mittel gegen Insektenstiche. Wenn diese Produkte, meistens noch begleitet von Hautabsonderungen und Schmutz, in das Bohrloch eindringen, können sie in der Conchynschicht zwischen Kern und Hülle ihre zerstörerische Wirkung entfalten. Eine besondere Gefahr droht von Haarsprays. Sie enthalten synthetische Zellulose, die auf den Perlen einen dünnen Überzug bildet und ebenfalls in das Bohrloch eindringt. Aus dem Gesagten versteht sich von selbst, dass Zuchtperlen vor dem Besuch beim Friseur abzunehmen sind. Es empfiehlt sich überhaupt, Perlen erst nach dem Schminken und Frisieren anzulegen und sie grundsätzlich nicht auf eingecremter Haut zu tragen.

Bei der Hausarbeit sind Perlen nicht am Platz. Der Kontakt mit Putzmitteln, die Chlor und andere Bleichmittel enthalten, sollte vermieden werden. In der Küche haben Perlen ebenfalls nichts zu suchen, auch nicht auf einem Esstisch, wo sie mit Essig, Salatsoßen oder Fruchtsäften in Kontakt kommen könnten. Die Verschmutzung der Luft wirkt an sich schädlich, Abgase und Schwefeldioxid greifen auf Dauer gesehen die Conchynsubstanz an

Schon Mikioto empfahl den Damen seiner Zeit, Perlen nach dem Tragen mit einem in Alkohol getauchten weichen Tuch abzureiben. Diese Empfehlung kann bis auf den heutigen Tag weitergegeben werden, denn Alkohol entfernt Schweiß- und Schmutzreste. Wenn nur ein weiches Tuch verwendet wird (diese Empfehlung ist oft zu hören), besteht die Gefahr, dass Säurereste, Fett oder Schmutz erst recht auf der Oberfläche der Perle verteilt werden. Ledertücher sollte man nicht benutzen, da sie Gerbsäure enthalten.

Es genügt, wenn Perlen ein- bis zweimal im Jahr gründlich gereinigt werden. Die Perlenträgerin kann sich dabei vertrauensvoll an ihren Juwelier wenden, der es gleichzeitig übernimmt, die Perlen neu aufzuziehen oder aufzuknoten. Die meisten Schmuckversicherungen verlangen, dass Perlenketten mindestens einmal im Jahr fachmännisch überprüft werden. Juweliere sollten ihrerseits diese Arbeit nicht als ein notwendiges Übel, sondern als Gelegenheit zur Kontaktpflege betrachten, die ihnen darüber hinaus erlaubt, ihre Kompetenz unter Beweis zu stellen. Es versteht sich von selbst, dass das professionelle Reinigen und Aufziehen von Perlenketten nicht kostenlos übernommen werden kann. Den guten Juwelier kann man übrigens daran erkennen, dass er einen Faden aus reiner Seide verwendet, für Ketten aus großen Südsee-Zuchtperlen gibt es auch spezielle, elastische Drähte.

Die Ultraschallreinigung ist mit Vorsicht zu handhaben. Zuchtperlen von guter Qualität werden wahrscheinlich keinen Schaden davontragen, aber bei Perlen mit geringer Schichtdicke und bei überbehandelten Perlen und Zuchtschalenperlen kann es zu Sprüngen in der Perlschicht kommen. Wenn ein Polymerüberzug vorhanden ist, wird er sich wahrscheinlich teilweise auflösen. Das gleiche trifft auf die Überzüge von Imitationsperlen zu. Der Juwelier sollte unangenehmen Überraschungen vorbeugen und bei Perlen grundsätzlich auf Ultraschallreinigung verzichten. Die regelmäßige Verwendung von speziellen Reinigungsflüssigkeiten oder Perlenbädern ist auch nicht unbedingt zu empfehlen. Die Flüssigkeiten können sich im Bohrkanal festsetzen und über Jahre hinweg zu einer Veränderung der Perle führen.

Am einfachsten ist das Reinigen in Wasser. Diese Methode kann von der Trägerin selbst angewandt werden, sie sollte sie auf wenige Male im Jahr beschränken. Wenn eine Kette stark verschmutzt ist, entfernt man zunächst mit einem Papiertuch oder einem Zahnstocher den gröbsten Schmutz an den Knoten. Anschließend legt man sie etwa 15 bis 20 Minuten lang in lauwarmes Wasser, dem man ein paar Tropfen eines milden Spülmittels beigegeben hat. Man kann auch Salz, Salmiakgeist oder Alkohol verwenden. Bei starker Verschmutzung wird jede einzelne Perle mit einer weichen Bürste abgebürstet. Die Perle darf keine Kratzer davontragen, und zwischendurch spült man Kette und Bürste mehrere Male in klarem Wasser ab. Nach dem letzten gründlichen Abspülen legt man die Perlen für mindestens 24 Stunden auf einem weichen Tuch zum Trocknen aus. Die Zimmertemperatur genügt, Perlen sollten nicht auf die Heizung gelegt oder mit einem Föhn getrocknet werden. Alle zwei bis drei Jahre kann man sie vorsichtig mit Olivenöl einreiben, um den Glanz zu erhalten.

Solange der Faden nass ist, kann er leicht reißen, die Kette sollte daher mit beiden Händen angefasst werden. Sie darf erst wieder getragen werden, wenn der Faden vollkommen trocken ist. Wenn eine Schnur neu aufgezogen werden soll, empfiehlt es sich, sie erst mit dem alten Faden zu reinigen und anschließend sorgfältig zu trocknen. Vor dem Neuaufziehen sollte mehrere Male ein sauberer Faden durch die Bohrlöcher gezogen werden.

Wenn Perlen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Schäden davongetragen haben, kann es u. U. dem erfahrenen Goldschmied gelingen, sie zu beheben (es gibt heute keine Perlendoktoren mehr). Matte stellen können mit Alkohol oder einer schwachen Säure behandelt werden. Die Erfahrungen mit Zuchtperlen gehen gehen erst etwa 80 Jahre zurück, genauer gesagt beschränken sie sich auf die letzten fünfzig bis vierzig Jahre. Bei sorgfältiger Pflege sollte es möglich sein, bei Perlen von guter Qualität zu einer die Generationen überdauernden Lebenszeit zu verhelfen. Perlen sind erstaunlich unempfindlich gegenüber mechanischen Beanspruchungen. Das schließt nicht aus, dass die Handhabung vorsichtig erfolgen soll. Es empfiehlt sich, sie nicht zusammen mit anderen Schmuckstücken aufzubewahren, weil der Kontakt mit Edelmetallen und Edelsteinen zu Kratzern führen kann. Perlen gehören in separate kleine Säckchen, bei verschließbaren Plastiktüten oder Watte besteht die Gefahr, dass Perlen austrocknen. Nach längerem Tragen reiben Perlen sich am Bohrloch.

Besondere Vorsicht ist im Umgang mit dem sog. Mabe-Perlen (Zuchtschalenperlen) nötig. Die äußere Perlschicht ist so hauchdünn, dass sie bei Schlag oder Druck von außen leicht Risse bekommt und zerbricht. Ringe sind in dieser Beziehung besonders gefährdet. Mabe-Perlen müssen von Säuren, Kosmetikas und Feuchtigkeit ferngehalten werden und sie sollten und sie sollten grundsätzlich nicht beim Baden oder Schwimmen getragen werden. Selbst das Reinigen in Seifenwasser ist nicht zu empfehlen, und von der Ultraschallreinigung ist unbedingt abzuraten. Wärme und intensive Sonneneinstrahlung sind ebenfalls zu vermeiden. Es passiert ansonsten leicht, dass die Perlschicht sich von der darunter liegenden Füllung löst und sich wie ein Hut abnehmen lässt.

(Quelle: Elisabeth Strack "Perlen" 2001