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Wissenswertes über Südsee-Keshiperlen.

Als 'Keshi-Zuchtperlen' werden diejenigen Südsee-Zuchtperlen bezeichnet, die keinen runden Kern aus Perlmutt enthalten. Die Bezeichnung wird seit etwa 1980 in Anlehnung an die japanischen Keshi-Perlen verwendet. Umgangssprachlich spricht man im Perlenhandel auch von 'Südsee-Keshis'.

Die Ursachen für die Entstehung von Keshis sind bereits im Kapitel 'Keshi-Zuchtperlen aus Japan' beschrieben worden. Hinzu kommt bei den 'Südsee-Keshis' noch eine dritte Ursache, nämlich die bewußte Erzeugung der Perlen durch ein Gewebeimplantat, in diesem Falle handelt es sich eindeutig um kernlose Zuchtperlen. Es wird davon ausgegangen, dass insbesondere in Australien die bewusste Zucht solcher kernloser Perlen erfolgt, Robert Webster berichtete bereits 1979 davon.

Das Perlenbuch der CIBJO-Bestimmungen von 1998 schreibt nach Jahren einer hartnäckigen Debatte zum ersten Mal eindeutig die Bezeichnung 'Keshi-Zuchtperlen' vor. Die australische Pearl Producers' Association hat der CIBJO-Perlenkommission anlässlich der Delegiertenversammlung in Kobe im Mai 2000 wieder neue Vorschläge zur Benennung von 'Keshi-Perlen' unterbreitet. Nach Meinung der Vereinigung könnten Keshis ls eine neue, eigene Kategorie von Perlen betrachtet werden und sollten, wenn es sich um zufällige Nebenprodukte des Zuchtvorganges handelt, als Naturperlen bezeichnet werden. Dieser Ursprung müsste durch ein Zertifikat belegt werden.

Die Bezeichnung 'Keshi-Zuchtperle' sollte nach dem Vorschlag der Australier nur Perlen vorbehalten werden, die durch bewusstes Eingreifen des Menschen entstehen. Die Unterscheidung zwischen beiden Ursprungsarten ist aber im Nachhinein unmöglich, sodass ein Zertifikat nur vom Züchter selbst erstellt werden könnte. Die Vorschläge wurden nicht angenommen.

Die meisten Keshis bekommen in Südsee-Zuchtgebieten von kleinen Farmen, deren Operationstechnik nur ungenügend entwickelt ist und die es sich nicht leisten können, hochbezahlte japanische Operateure zu beschäftigen. Dies trifft vor allem auf Französisch-Polynesien und die Cook-Inseln zu. Die Japaner achten sorgfältig darauf, Verletzungen zu vermeiden, die während der Operation zur Verlagerung der von Epithelzellen führen können. Wenn es zur Entstehung weiterer Perlen kommt, wird die dafür benötigte Energie sich auf die Qualität der geplanten Perle mit Kern nachteilig auswirken, ganz abgesehen davon, dass 'Keshi-Perlen' innerhalb der Muschel einen Platz beanspruchen.

Wenn die Operation durch nicht ganz Fachkundige ausgeführt wird, erhöht sich auch das Risiko, dass die Kerne ausgestoßen werden. Hierin ist wahrscheinlich der häufigste Grund für die Entstehung von 'Keshi-Perlen' in Französisch-Polynesien' zu sehen, zumal es für die kleinen Farmen aus Kostengründen unmöglich ist, rechtzeitig eine Röntgenuntersuchung durchzuführen.

Wenn die Zuchttechniken in den jeweiligen Fundgebieten sich weiterhin verbessern, ist damit zu rechnen, dass 'Südsee-Keshis' in einigen Jahren nur noch in geringen Mengen auf dem Markt auftreten und sogar einen gewissen Seltenheitsgrad erlangen werden. Sie nehmen auch jetzt wahrscheinlich weniger als 20 Prozent der Südsee-Zuchtperlen ein.

Die ersten 'Keshis' von australischen Farmen sind in den späten siebziger Jahren auf dem Markt aufgetreten, zuvor war der Ausdruck nur für die winzigen japanischen Perlen verwendet worden, die er in direkter Übersetzung auch beschreibt. Es ist unklar, was mit den frühen australischen 'Keshis' geschehen ist. Es bleibt zu vermuten, dass sie als Naturperlen verkauft wurden. Bis heute sind die arabischen Länder ein guter Markt für 'Keshi-Perlen', deren Entstehung sie dem göttlichen Willen zuschreiben.

'Keshis' werden bei der ersten und zweiten Ernte von Südsee-Zuchtperlen gefunden, manchmal kommen sie nach der Zucht von von so genannten Mabe-Perlen zum Vorschein. Es gibt keine Statistik über die relative Häufigkeit, in der die Perlen auftreten. Unbestätigten Berichten zufolge sollen die besseren Formen nur in der unteren Hälfte des Körpers von Pinctada maxima gefunden werden.

Die Größen der Südsee-Keshi-Zuchtperlen, wie sie übergreifend genannt werden (dazu gehören auch die 'Tahiti-Keshis'), liegen durchschnittlich im Bereich von 9mm – 12mm. Bei großen 'Keshis' sind Längen von über 20mm zu beobachten. Die Formen sind barock, zahnförmig, , eiförmig oder tropfenförmig. Daneben treten Phantasieformen auf. Die Formenvielfalt macht die Perlen, die meistens nur von Kennern gewürdigt werden, besonders für individuelles Schmukdesign geeignet.

Die Farben entsprechen denen der Zuchtperlen mit Kern aus dem jeweiligen Fundgebiet. Australische 'Keshis' sind eher weiß und silbergrau. 'Keshis' von Tahiti und von den Cook-Inseln sind weißlichgrau, grau und schwarz, dabei können alle Töne auftreten, die bei den runden Zuchtperlen vorkommen. 'Keshis' aus Indonesien und von den Philippinen kommen in Weiß-, Grau- und Silbertönen vor, sind aber auch creme-weiß und gelb, goldfarbige 'Keshis' treten in allen Fundgebieten auf.

Die 'Keshi-Perlen' zeichnen sich durch einen deutlichen Orient aus, der durch Beugung des Lichtes an den vielen Falten und Krümmungen der Oberfläche auftritt. Damit unterscheiden sie sich von den runden Zuchtperlen, bei denen Orient meistens nicht vorkommt. Der Lüster ist meistens ebenfalls sehr ausgeprägt.

Die Bewertung der 'Keshi-Perlen' erfolgt innerhalb des Bewertungssystems für Südsee-Zuchtperlen. Die unregelmäßigen und barocken Formen sind verantwortlich für die niedrigen Preise, die im Bereich von 20 bis 30 Prozent des Preises von runden Südsee-Zuchtperlen mit ansonsten gleichwertigen Bewertungsfaktoren liegen.

(Quelle: Elisabeth Strack "Perlen" 2001)